Landeskunde Baden-Württemberg

 

Christlich-Demokratische Union

Logo der Partei

Im 16. Landtag von Baden-Württemberg stellt die CDU 42 der 143 Abgeordneten. Zudem hat die Regierungspartei Peter Strobl als stellvertretenden Ministerpräsidenten benannt. Seit 2016 ist die Partei Juniorpartner in einer Koalition mit Bündnis 90/ Die Grünen.


Geschichte der CDU

Dominanz der CDU

Organisationsstruktur


Geschichte der CDU

Im Jahr 2016 feiert die CDU in Baden-Württemberg ihr 70-jähriges Bestehen. Genau genommen ist sie allerdings zunächst in den vier eigenständigen Landesverbänden Nordwürttemberg, Südwürttemberg, Nordbaden und Südbaden entstanden. Dies war durch die ehemaligen Besatzungszonen bedingt.

Die Wurzeln christlich-demokratischer Politik im Südwesten reichen weit zurück. So rekrutierten sich Führungspersonal und Anhängerschaft bereits nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Auf katholischer Seite kamen die Anhänger aus der Tradition des Zentrums, auf protestantischer Seite aus den Potenzialen des Christlich-Sozialen Volksdienstes und des Bauernbundes in Württemberg bzw. aus den (national-)liberalen Traditionen der südwestdeutschen Länder.

Rasche Parteigründung möglich

Im Unterschied zu (Süd-)Baden als Teil der französischen Besatzungszone ließ die liberale Praxis der amerikanischen Besatzungsbehörden in Nordbaden eine schnellere Parteienbildung zu. Bereits am 14. August 1945 wurde in Karlsruhe die „Christlich-demokratische Partei" (CDP) gegründet, am 8. November 1945 die „Christlich-Soziale Union“ in Heidelberg. Diese und weitere lokale Initiativen wurden am 9./10. Februar 1946 mit der Gründung des Landesverbandes Nordbaden zur Christlich-Demokratischen Union zusammengeführt.

Am 20. Dezember 1945 wurde in (Süd-)Baden der CDU-Vorläufer „Badische Christlich-Soziale Volkspartei“ (BCSV) mit dem späteren Staatspräsidenten Leo Wohleb als Parteivorsitzendem konstituiert. Genehmigt wurde die Partei allerdings erst am 8. Februar 1946. Im Jahr 1947 gab sie sich einen neuen Namen: „CDU Baden“. Die Kontroversen um die Gründung des Südweststaats stellte die Partei von 1947 bis Mitte der 50er Jahre vor eine innerparteiliche Zerreißprobe.

In Nordwürttemberg wurde am 25. September 1945 die „Christlich-Soziale Volkspartei“ gegründet, eine interkonfessionelle, christlich-sozial orientierte Partei. Die CDU agierte hier in einer schwierigen politischen Landschaft. Die starke Industrialisierung, ein traditionell hoher Stimmenanteil liberaler Parteien und Vorbehalte in der evangelischen Bevölkerung gegen die vielfach als „katholisch“ wahrgenommene Partei machten es der Union hier nicht leicht.

Konfessionelle Prägung

In Südwürttemberg-Hohenzollern wurde im Januar 1946 ein Zulassungsantrag für die „Christlich-Demokratische Union“ gestellt. Am 23. März 1946 konnte die erste Landeskonferenz in Sigmaringen stattfinden. Mehr als in anderen Landesteilen waren hier im vorwiegend katholisch geprägten Raum die politischen Diskussionen stets grundsatzorientiert; man kann dies am langen Festhalten an der Konfessionsschule ablesen.

Erst im Januar 1971 schlossen sich die vier bis dahin selbstständigen Landesverbände der CDU zum Landesverband Baden-Württemberg zusammen. Mit dem neuen Verband wurde die Organisationsstruktur der Partei an der Spitze ergänzt. Die vier bisherigen Landesverbände wurden zu Bezirksverbänden, deren Grenzen denen der neu gebildeten Regierungsbezirke Karlsruhe, Freiburg, Stuttgart und Tübingen entsprechen.

Dominanz der CDU

Die jahrzehntelange Dominanz der CDU ist charakteristisch für das Parteiensystem des Landes. Von 1953 bis 2011 war sie Regierungspartei und stellte durchgängig den Ministerpräsidenten; zunächst in Koalitionskabinetten, bis es ihr 1972 gelang, die absolute Mehrheit zu erlangen.

Nach zwanzig Jahren Alleinherrschaft verlor die CDU im April 1992 die absolute Mehrheit. Zum zweiten Mal in der Geschichte des Landes nach 1966 –1972 kam es wieder zu einer Großen Regierungskoalition von CDU und SPD. 1996 - 2011 regierte die CDU in Baden-Württemberg in einem Regierungsbündnis mit der FDP/DVP. In die Rolle einer Oppositionspartei wurde die CDU 2011 gedrängt, nachdem bei den Landtagswahlen ein grün-rotes Bündnis die Mehrheit erhielt.

Mit den Landtagswahlen von 2016 ist die CDU nun in die Landesregierung zurückgekehrt. Unter dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, der bereits seine zweite Amtszeit angetreten hat, stellt die CDU insgesamt fünf Ministerinnen und Minister, unter ihnen den stellvertretenden Ministerpräsidenten Thomas Strobl.

Organisationsstruktur

Die CDU in Baden-Württemberg hat rund 69.000 Mitglieder. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei rund 55 Jahren; rund vierzig Prozent der Mitglieder sind über sechzig Jahre alt, der Frauenanteil in der Partei liegt bei knapp über zwanzig Prozent.

Der CDU-Landesverband gliedert sich in vier Bezirksverbände - Nordbaden, Südbaden, Nordwürttemberg und Württemberg-Hohenzollern (für die Regierungsbezirke Karlsruhe, Freiburg, Stuttgart und Tübingen). Diese umfassen wiederum 41 Kreisverbände und über 800 Stadt-, Gemeinde- und Ortsverbände.

Sechs Fachausschüsse auf Landesebene arbeiten dem Landesverband zu. Sie beschäftigen sich mit den Themen Bildung, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung, Umwelt und Energie, Ernährung, Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Ländlichen Raum, Soziales und Europapolitik. Außerdem bestehen verschiedene Arbeitskreise, Beiräte und Sonderorganisationen.

Innerhalb der CDU gibt es zehn selbstständige Vereinigungen, die in enger Bindung zur Partei stehen:

 

 

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Personen

 

Landesvorstand

Neben dem Landesparteitag gehört der Landesvorstand zu den obersten Organen des CDU Landesverbandes Baden-Württemberg.

Thomas Strobl (*17. März 1960) ist seit 2011 Landes- vorsitzender der CDU in Baden-Württemberg und seit 2009 Vorsitzender der CDU-Landesgruppe Baden-Württemberg im Deutschen Bundestag.

Zur Kurzbiografie von Thomas Strobl

 

 

 
 
 
 
 

Personen

 

Fraktionsvorsitzender

Seit Mai 2016 ist Wolfgang Reinhart (*3. Mai 1956) Fraktions- vorsitzender für die CDU im Landtag Baden-Württemberg. Zuvor war er zwischen 2005 und 2011 als Minister für Bundes-, Europa- und internationale Angelegenheiten, sowie als Bevollmächtigter beim Bund tätig, nachdem er sein Amt als Staatssekretär im Finanzministerium von Baden-Württemberg 2004 niedergelegt hatte.

Zur Seite von Wolfgang Reinhart

 
 
 
 
 

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Politische Kultur, Parteiensystem und Wählertraditionen im deutschen Südwesten

In diesem Beitrag schreibt Dr. Reinhold Weber über die Entstehung der Parteien im 19. Jahrhundert zu den derzeit im Landtag vertretenen politischen Kräften.
Schriften zur politischen Landeskunde, Band 34: Baden-Württemberg - Gesellschaft, Geschichte, Politik. 2006

Beitrag

 
 
 
 
 

Publikation

 

Parteien und Parteiensystem in Baden-Württemberg

Funktionen – Genese – Wettbewerb
Beitrag aus dem "Handbuch Landespolitik", 2010
Autor: Dr. Reinhold Weber
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