Landeskunde Baden-Württemberg

 

Schulsystem Baden-Württemberg

Foto: Anna Vogel

Stand: Oktober 2017

An die vierjährige Grundschule schließen sich im baden-württembergischen Schulsystem folgende weiterführende Schulen an: Die Hauptschule, die Werkrealschule, die Realschule und die Gemeinschaftsschule mit der Option auf eine gymnasiale Oberstufe und das Gymnasium. Nachdem ein allgemeinbildender Schulabschluss erreicht ist, können Schülerinnen und Schüler zudem auch eine berufliche Schule besuchen. Neben all diesen Schularten bestehen noch sonderpädagogische Bildungsangebote.


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Nach fast 12 Jahren hat das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport 2016 einen neuen Bildungsplan vorgestellt. Darin wird der Bildungsplan von 2004 weiterentwickelt. Der Bildungsplan 2016 will insbesondere die Bildungsgerechtigkeit in Baden-Württemberg stärken. Dafür soll das Bildungssystem durchlässiger werden und bisherige Hürden beseitigt werden. Zudem wird auf eine stärkere individuelle Förderung Wert gelegt, um der Heterogenität unter den Schülern in Baden-Württemberg gerecht werden zu können.

Die ersten Teile der Bildungspläne 2016 sind bereits zum Schuljahresbeginn 2016/2017 eingeführt worden und sollen nun Schritt für Schritt ausgeweitet werden. Die Bildungspläne wurden unter Berücksichtigung der Bildungsstandards erstellt, welche die Kultursministerkonferenz (KMK) vorgibt. Ziel soll dabei eine Angleichung der Bildungssysteme in den einzelnen Bundesländern sein.

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Schülerzahl

Im Schuljahr 2015/16 lag die Schülerzahl an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen laut Statistischem Landesamt bei gut 1,524 Millionen. Hier ist bis 2020/21 ein leichter Rückgang auf gut 1,48 Millionen möglich. Eine Stabilisierung der Geburtenzahlen dürfte dafür sorgen, dass die Schülerzahlen an den Grundschulen bis 2018/19 nur noch leicht absinken und anschließend wieder etwas ansteigen könnten. So wird die Schülerzahl in ganz Baden-Württemberg ab 2025/2026 wieder auf ähnlichem Niveau sein, wie zur Zeit. Eine niedrigere Schülerzahl kann positive Folgen haben, z.B. dass die Klassen kleiner werden und so die Betreuung durch den Lehrer besser wird. Es wird aber auch dazu führen, dass weniger Schulen gebraucht werden und Schüler längere Schulwege auf sich nehmen müssen, um die nächste Schule zu erreichen. Besonders prekär ist diese Entwicklung für die Hauptschulen. Diese leiden schon jetzt unter sinkenden Schülerzahlen. Deshalb wurde die Werkrealschule als Alternative geschaffen.

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Qualität des Schulsystems

Bei Leistungsvergleichen zwischen den Bundesländern hat Baden-Württemberg zuletzt nur noch mäßig abgeschnitten. In den Kompetenzfeldern Lesen, Zuhören und Orthographie lagen die Schüler im Bundesland laut Bildungstest 2015 jeweils unter dem Bundesdurchschnitt. Im vorigen Test von 2009 lag Baden-Württemberg noch auf Platz zwei hinter Bayern.

Das Kultusministerium hat im Juni 2017 deshalb ein neues Qualitätskonzept für das Schulsystem vorgestellt. Dieses sieht vor, Schulen und Schulaufsicht transparenter zu machen. Dafür wird mit Daten gearbeitet, die z.B. aus Vergleichsarbeiten gewonnen werden. Zudem sieht das Konzept vor, die Lehrerfortbildung auf den Prüfstand zu setzen und hier klarere konzeptionelle Strukturen vorzugeben.

Bis 2019 sollen zwei neue Institutionen entstehen, die zur Qualitätssicherung beitragen sollen: Ein „Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung“ sowie ein „Institut für Bildungsanalysen“. Dabei soll das "Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung" die Schulen durch Beratung und Erstellung von Unterrichtsmaterial unterstützen, während das "Insitut für Bildungsanalysen" seinen Fokus auf die Entwicklung eines strategischen Bildungsmonitorings legt.

Chancengleichheit

Weiterhin spielt die soziale Herkunft beim Bildungsweg eine große Rolle. Wer aus einer akademisch geprägten Familie kommt, hat im Bundesdurchschnitt eine 4,5-mal höhere Chance, aufs Gymnasium zu kommen, als ein Kind aus einer Arbeiterfamilie (PISA 2009). In Baden-Württemberg und Bayern ist dieses soziale Gefälle besonders stark ausgeprägt. Dort haben Akademikerkinder rund 6,5-mal so gute Gymnasiumschancen wie Arbeiterkinder. Den besten Wert erzielte Berlin (1,7).

Inklusion

Der Landtag von Baden-Württemberg hat am 15. Juli 2015 die Änderung des Schulgesetzes zur Inklusion verabschiedet. Zentrales Element der Gesetzesänderung ist die Abschaffung der Pflicht zum Besuch einer Sonderschule beziehungsweise die Einführung des Elternwahlrechts. Eltern von Kindern mit einem Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot können seit dem Schuljahr 2015/2016 wählen, ob ihr Kind an einer allgemeinen Schule oder einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) lernen soll.

Sonderschulen wandeln sich schrittweise zu sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren. Deren vorrangige Aufgabe ist es, inklusive Angebote an Regelschulen personell und materiell mitzugestalten. Eltern von Kindern mit Behinderung sollen künftig - nach qualifizierter Beratung - selbst entscheiden können, an welcher Schule ihr Kind unterrichtet wird. Die staatlichen Schulämter sollen dem Elternwunsch auf inklusive Beschulung weiterhin nach Möglichkeit entsprechen. Diese Regelung soll fortgeführt werden, bis das Elternwahlrecht im Schulgesetz verankert ist. 

Integration

Unter den Geflüchteten nach Baden-Württemberg sind auch viele Kinder und Jugendliche, die grundsätzlich schulpflichtig sind, sofern sie einen Wohnsitz im Bundesland haben. Für Asylsuchende gilt diese Pflicht 6 Monate nach ihrem Zuzug nach Deutschland.  Zudem gab es in den vergangenen Jahren eine vermehrte Zuwanderung aus ärmeren EU-Staaten, wie etwa Rumänien oder Bulgarien. Im Schuljahr 2013/ 2014 lag der Anteil ausländischer Schüler an allgemeinbildenden Schulen bei 9,5 Prozent. Dies ist im Vergleich zu 1995/1996 jedoch niedriger. Damals lag der Anteil bei etwa 14 Prozent. Doch ist davon auszugehen, dass durch die Zuwanderung die Schülerzahlen in Baden-Württemberg wieder steigen werden.

Mehrere Förderprgramme unterstützen Kinder und Jugendliche ohne ausreichende Deutschkenntnisse. So gibt es etwa spezielle Förderklassen, in denen Schüler die deutsche Sprache, Fachwortschatz sowie schulischer Arbeitsweisen lernen können. Diese Klassen gab es im Schuljahr 2014/15 insgesamt 1 176 mal. Ein ähnliches Angebot gibt es auch bei den beruflichen Schulen in Forme eines Vorqualifizierungsjahrs Arbeit/Beruf (VAB). Auch hier liegt der Schwerpunkt darauf, Deutsch zu lernen. Dieses Angebot nahmen 2014/15 über 1.600 Schüler an.

Integrationsmonitoring 2011-2013

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Bildungsplan 2016

 

Wie wird die Schule den Anforderungen und Aufgaben der Zukunft gerecht? Welche Ziele verfolgt der Bildungsplan 2016, welche Methoden kommen zum Einsatz? Weitere Informationen finden Sie hier...

 
 
 
 
 

 

Der Verein bringt sich aktiv in den derzeit laufenden Schulentwicklungsprozess in Baden Württemberg ein. Unterstützt von inzwischen Tausenden LehrerInnen und Eltern, von über 450 SchulleiterInnen, von WissenschaftlerInnen und vielen weiteren Solidaritätsadressen, fordert er einen Paradigmenwechsel hin zu einem inklusiven Schulsystem, in dem alle Kinder und Jugendliche länger gemeinsam miteinander und voneinander lernen und dabei individuell gefördert werden. Weitere Informationen finden Sie hier...

 
 
 
 
 

Schule und Europa – zwischen Verfassungsauftrag und aktiver Unionsbürgerschaft

 
 
 
 
 
 

Bildungsbericht 2015

 

Der dritte Bildungbericht für Baden-Württemberg wurde im Juni 2015 veröffentlicht. Der Schwerpunkt liegt dieses Mal auf der Regionalen Schulentwicklung. Der Bericht ist Ergebnis einer Kooperation aus Landesinstitut für Schulentwicklung und dem Statistischen Landesamt Baden-Württemberg.

zum Bildungsbericht 2015

 
 
 
 
 

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