
- Foto: LMZ Baden-Württemberg
Einwanderung...
Derzeit leben in Baden-Württemberg rund 1,2 Millionen ausländische Staats- angehörige. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt damit ca. elf Prozent. Der Zuzug von ausländischen Staatsbürgern, aber auch deren Familiengründungen – zumindest anfangs war die Geburtenrate bei ausländischen Frauen deutlich höher als bei den deutschen Frauen – hatte erheblichen Anteil am Anstieg der Einwohnerzahl des Landes. Betrachtet man beide Faktoren, so ist seit 1952 etwa ein Drittel des gesamten Bevölkerungszuwachses auf die ausländischen Mitbürger zurückzuführen.
Die Einwanderungswellen kann man in verschiedene Phasen einteilen. In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg waren es vor allem Heimat-vertriebene und Flüchtlinge, die in den Südwesten kamen. Im Jahr 1950 zählte man 862.000 oder 13,5 Prozent der damaligen Gesamtbevölkerung. Mitte der 1950er Jahre begann mit dem „Wirtschaftswunder“ die Zuwanderung der „Gastarbeiter“ aus Italien, denen Migranten vor allem aus Jugoslawien, Spanien und der Türkei folgten. Eine neue Zuwanderungsphase brach Ende der 1980er Jahre an: Nun wanderten deutschstämmige Spätaussiedler ein – zunächst hauptsächlich aus Rumänien und Polen, anschließend vor allem aus der früheren Sowjetunion – sowie Asylbewerber und Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien. Der Höhepunkt der Einwanderungswelle wurde zwischen 1988 und 1993 erreicht: In dieser Zeit betrug der Wanderungssaldo (Zuzüge abzüglich Fortzüge) rund 370.000 Menschen nach Baden-Württemberg.
Seit Mitte der 1990er Jahre hat sich die Einwanderung aus dem Ausland nach Baden- Württemberg deutlich abgeschwächt: Die Zahl der zuziehenden Spätaussiedler hat sich massiv verringert, viele Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien sind in ihre Heimatländer zurückgekehrt. 2009 betrug der Wanderungssaldo nur noch 10.500 Personen.
Baden-Württemberg hat dennoch den höchsten Ausländeranteil unter den deutschen Flächenländern. Die meisten Migranten im Land stammen ursprünglich aus der Türkei. Die zweitgrößte Gruppe bilden Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien gefolgt von Bürgern aus Italien, Griechenland und aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Die insgesamt zurückgehende Ausländerquote ist auch durch die zeitweilig steigende Zahl der Einbürgerungen bedingt. Seit der Änderung des Staatsbürgerschaftsgesetzes im Jahr 2000 haben rund 180.000 Personen in Baden-Württemberg die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten.
... und Integration
Inzwischen geht die Zahl der Einbürgerungen wieder zurück. Die Zahl und der Anteil der Ausländer, die sich für einen langfristigen oder auch dauerhaften Verbleib in Deutschland beziehungsweise Baden-Württemberg entschlossen haben, sind in den vergangenen drei Jahrzehnten deutlich angestiegen. Heute leben fast siebzig Prozent aller Ausländer schon länger als zehn Jahre hier. Fast fünfzig Prozent der im Land lebenden ausländischen Staatsbürger haben ihr Leben vollständig oder zum ganz überwiegenden Teil in Deutschland verbracht.
Einen exakteren Überblick über den Umfang des Integrationsbedarfs bieten die Zahlen zu den Menschen mit Migrationshintergrund. Dazu zählen neben den zugewanderten und in Deutschland geborenen Ausländern auch Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit, das heißt Spätaussiedler, eingebürgerte Personen sowie die Kinder von Spätaussiedlern und von Eingebürgerten. Ein Viertel aller Baden-Württemberger oder 2,7 Millionen Menschen haben einen solchen Migrationshintergrund. Auch damit liegt das Land deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 19 Prozent und an erster Stelle der deutschen Flächenländer.
Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in den jüngeren Altersgruppen ist deutlich höher als in den mittleren und älteren Altersgruppen. So verfügt bei den minderjährigen Baden-Württembergern sogar jeder dritte (knapp 34 Prozent) über einen Migrationshintegrund. Zum Vergleich: Während es bei der Bevölkerungs-gruppe der 18- bis unter 60-jährigen immerhin noch überdurchschnittliche 27 Prozent sind, liegt dieser Anteil bei den über 60-jährigen bei nur noch 14 Prozent.
Eine gelungene schulische oder berufliche Integration spielt dabei eine wichtige Rolle. Zwar haben ausländische Jugendliche heute einen deutlich besseren Bildungsstand als die ältere Ausländergeneration. Dennoch erreichen sie wesentlich seltener höhere Bildungsabschlüsse als ihre deutschen Altersgenossen. Auch das Niveau der beruflichen Bildung junger Menschen mit Migrationshintergrund bleibt hinter dem ihrer deutschen Altersgenossen ohne Migrationshintergrund zurück.
Die Erwerbslosenquote liegt bei Migranten mit etwa 13 Prozent ebenfalls deutlich höher als bei den Personen ohne Migrationshintergrund (ca. 5 Prozent). Bei Ausländern liegt die Arbeitslosenquote sogar bei 24 Prozent.
Von allen Regionen Baden-Württembergs und dem Stadtkreis Stuttgart weist die Landeshauptstadt mit 40 Prozent deutlich den höchsten Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund auf. Verglichen mit anderen ausgewählten deutschen Großstädten liegt die Stadt Stuttgart mit diesem Wert unangefochten an der Spitze. Selbst Hamburg mit seinen knapp 27 Prozent, Bremen mit 25 Prozent, sowie Berlin mit rund 23 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund, liegen deutlich hinter der baden-württembergischen Landeshauptstadt.
Weiterführende Links
Justizministerium Baden-Württemberg:
Der Integrationsbeauftragte der Landesregierung
Grundlagen der Integrationspolitik
Integrationsplan Baden-Württemberg
Tätigkeitsbericht des Integrationsbeauftragten
Innenministerium Baden-Württemberg:
Integration
Statistische Landesamt:
Lebenssituation von Migranten in Baden-Württemberg (PDF)
Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Baden-Württemberg (PDF)
Migrantinnen und Migranten in Baden-Württemberg (PDF)
LpB-Publikationen:
Der Bürger im Staat: Zuwanderung und Integration
Deutschland & Europa: Migration
Politik und Unterricht: Türken bei uns
Bundeszentrale für politische Bildung: Migration
Politische Bildung: Migration
LpB Ausstellung "... mehr als nur Gäste"
Demokratisches Zusammenleben mit Muslimen in Baden-Württemberg
mehr
Kulturelle Vielfalt - Baden-Württemberg als Einwanderungsland

Landeskundliche Reihe Bd 32
Preis: 4,- EUR
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