Landeskunde Baden-Württemberg

 

Demographie

Foto: LMZ Baden-Württemberg

Stand März 2017

Im Jahr 2015 hat die Einwohnzahl von Baden-Württemberg mit 10 879 500 Menschen einen neuen Höchststand erreicht. Insbesondere zwischen 2008 und 2011 hatte es im Bundesland einen starken Bevölkerungsrückgang gegeben, seitdem wächst die Einwohnerzahl langsam wieder. Das liegt zum einen daran, dass mehr Kinder geboren werden (2015 rund 100.000 Geburten - so viel wie seit 2001 nicht mehr), zum anderen ist das Wachstum auf vermehrte Zuwanderung zurückzufüren.

Zuwanderung

So sind 2015 rund 170.500 Menschen mehr nach Baden-Württemberg gekommen, als weggezogen sind. Dieser sogenannte Wanderungssaldo war zuletzt 1990 bedingt durch den Fall der Mauer höher. Dabei ist der Zuwachs im Jahr 2015 nur zu einem geringen Teil auf einen Zuzug aus Deutschland zurückzuführen. Die meisten Menschen kamen aus Syrien nach Baden-Württemberg (36 000), gefolgt von Rumänen (20 000) und Kroaten (11 000). Inzwischen leben rund 1,54 Millionen Menschen mit ausländischem Pass in Deutschland. Das Statistische Landesamt geht davon aus, dass die Bevölkerung weiter wachsen wird und rechnet mit rund 11,14 Millionen Baden-Württembergern im Jahr 2024.

Quelle: Landesamt für Statistik BW. Grafik: Anna Vogel

In der gesamten industrialisierten Welt sorgen anhaltend niedrige Geburtenraten und eine steigende Lebenserwartung dafür, dass die Bevölkerung altert. Die ehemals pyramidenartige Altersstruktur hat sich grundlegend verändert: Die früher starke Basis der jüngsten Bevölkerungsschicht ist immer schmaler geworden und hat sich nach oben verschoben.


Lebenserwartung

Geburtenrate


Bevölkerungswandel

Auch in Baden-Württemberg, das sich im im deutschen Vergleich unter den Flächenländern noch der jüngsten Bevölkerung erfreuen kann, zeichnen sich die Spuren des Bevölkerungswandels bereits deutlich ab. Seit 2000 leben hier erstmals mehr 60-Jährige und Ältere als unter 20-Jährige. Inzwischen ist jeder fünfte Einwohner im Bundesland älter als 65 Jahre (2014). Waren die Baden-Württemberger 1950 rund 34 Jahre alt, betrug das Durchschnittsalter der Bevölkerung 2016 schon 43,2 Jahre. Im Jahr 2050 wird es bereits bei fast fünfzig Jahren liegen.

Die Bevölkerung altert sowohl von der Basis als auch von der Spitze her: Zum einen sind die nachwachsenden Jahrgänge geringer besetzt als ihre Elterngeneration, die heute 30- bis 40- Jährigen. Dadurch wird es in Zukunft deutlich weniger potenzielle Mütter und Väter geben als heute. Die Basis des Altersaufbaus wird deshalb noch schmaler werden. Zum anderen wachsen die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre ab etwa 2025 ins Seniorenalter hinein. Die gestiegene Lebenserwartung stärkt ihren Anteil an der Bevölkerung zusätzlich.

Positiv auf die Altersstruktur in der Gesellschaft wirkt sich allerdings die Zuwanderung aus. So lag das Durchschnittsalter der Zugewanderten im Jahr 2015 bei 30 Jahren - rund 13 Jahre jünger als der Altersdurchschnitt der Baden-Württemberger.

Statistisches Landesamt: Altersstruktur

Regionale Unterschiede

Allerdings gibt es starke regionale Unterschiede, die sich in Zukunft noch verstärken könnten: Die Gemeinden, in denen der Anteil der Älteren schon heute besonders hoch ist, werden in den nächsten zwanzig Jahren den stärksten Bevölkerungsrückgang zu verkraften haben. Dagegen ist zu beobachten, dass Zugewanderte und jüngere Menschen sich eher in Richtung der Städte und Metropolregionen orientieren.

Herausforderung für die Politik

Die alternde Bevölkerung ist eine Herausforderung für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie erfordert die Anpassung der sozialen Sicherungssysteme und ist nicht zuletzt auch eine Herausforderung für die Kommunalpolitik. Gemeinden, die aufgrund ihrer „jungen“ Altersstruktur bis heute noch relativ wenige Einrichtungen der Altenpflege benötigen, werden künftig mit einem starken Anstieg des Bedarfs rechnen müssen. Generell wird sich die Infrastruktur in den Kommunen in vielerlei Hinsicht ändern. Das „Jahrhundert der Senioren“, das auf unsere Gesellschaft zukommt, erfordert eine rechtzeitige Auseinandersetzung mit den zu erwartenden Problemen.

Lebenserwartung

Besonders markant in der baden-württembergischen Bevölkerungsentwicklung ist die deutliche Zunahme der durchschnittlichen Lebenserwartung. Sie ist innerhalb von nicht ganz zwei Generationen um etwa zwölf bis 14 Jahre angestiegen. So konnte ein Junge, der um 1949/51 geboren wurde, auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von rund 65 Jahren hoffen, während heute geborene Jungen im Durchschnitt mit über 78 Jahren Lebenszeit rechnen können. Die Lebenserwartung von Frauen hat sich im selben Zeitraum von fast 69 Jahren auf über 83 Jahre erhöht. „Baden-Württemberger leben länger“ – dieser Slogan gilt spätestens seit Anfang der 1970er Jahre im Vergleich zu den anderen Bundesländern.

Die stetig steigende Lebenserwartung ist unter anderem auf die deutlich verringerte Säuglingssterblichkeit zurückzuführen. Diese ist nunmehr auf etwa ein Siebtel des Standes von 1970/72 zurückgegangen. Gleichzeitig trägt eine verbesserte gesundheitliche Vorsorge und Gesundheitsversorgung dazu bei, die Sterblichkeit im höheren Alter zu reduzieren.

Innerhalb des Landes lassen sich jedoch erstaunliche Unterschiede ausmachen. Über den Zeitraum von 1981 bis heute hinweg gesehen, ergibt sich zwischen den Kreisen mit der höchsten Lebenserwartung (Landkreis Tübingen und Bodenseekreis) und dem Kreis mit der niedrigsten Lebenserwartung (Stadtkreis Mannheim) eine Differenz von zwei bis drei Jahren. Als Erklärungsgründe lassen sich in erster Linie der Einkommens- und Bildungsstatus der Bevölkerung sowie die damit verbundenen Lebensweisen und -einstellungen anführen. In Kreisen mit hohem Einkommen leben die Menschen im Durchschnitt länger. Das gilt ebenso für Kreise mit einem hohen Anteil an Einwohnern mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss.

Geburtenrate

Auch in Baden-Württemberg schwankt die Geburtenrate. Während 2006 noch 707 Menschen weniger geboren als gestorben sind, lag dieser Unterschied 2012 schon bei 11.107 Menschen. Damit ist das Geburtendefizit, also die Differenz zwischen Geborenen und Gestorbenen, stark gestiegen. Obwohl inzwischen wieder mehr Kinder geboren werden, lag das Defizit im Jahr 2014 immer noch bei 5000, als 95.600 Kinder geboren und 100.600 Menschen gestorben sind.

Wie in anderen Teilen Deutschlands auch, sorgte der „Pillenknick“ in den 1960er Jahren für einen deutlichen und anhaltenden Rückgang der Geburtenzahlen. Heute liegt die Geburtenrate Baden-Württembergs bei 1,46 Kindern pro Frau. Sie ist damit vergleichbar mit dem Rest Deutschlands, wo sie bei 1,47 Kindern pro Frau liegt. Beide Werte sind weit entfernt von der für eine stabile Bevölkerungszahl notwendigen Quote von 2,1 Kindern pro Frau.

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