
- Foto: LMZ Baden-Württemberg
Demographie
In der gesamten industrialisierten Welt sorgen anhaltend niedrige Geburtenraten und eine steigende Lebenserwartung dafür, dass die Bevölkerung altert. Die ehemals pyramidenartige Altersstruktur hat sich grundlegend verändert: Die früher starke Basis der jüngsten Bevölkerungsschicht ist immer schmaler geworden und hat sich nach oben verschoben.
Bevölkerungswandel ...
Auch in Baden-Württemberg, das sich im innerdeutschen Vergleich noch der jüngsten Bevölkerung erfreuen kann, zeichnen sich die Spuren des Bevölkerungswandels bereits deutlich ab. Seit 2000 leben hier erstmals mehr 60-Jährige und Ältere als unter 20-Jährige. Waren die Baden-Württemberger 1950 rund 34 Jahre alt, betrug das Durchschnittsalter der Bevölkerung 2007 schon 42 Jahre. Im Jahr 2050 wird es bereits bei fast fünfzig Jahren liegen.
Die Bevölkerung altert sowohl von der Basis als auch von der Spitze her: Zum einen sind die nachwachsenden Jahrgänge geringer besetzt als ihre Elterngeneration, die heute 30- bis 40- Jährigen. Dadurch wird es in Zukunft deutlich weniger potenzielle Mütter und Väter geben als heute. Die Basis des Altersaufbaus wird deshalb noch schmaler werden. Zum anderen wachsen die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre ab etwa 2025 ins Seniorenalter hinein. Die gestiegene Lebenserwartung stärkt ihren Anteil an der Bevölkerung zusätzlich. Die Alterung der Bevölkerung trifft das gesamte Land.
Statistisches Landesamt: Bevölkerungspyramide
... mit regionalen Unterschieden
Allerdings gibt es regionale Unterschiede. In den letzten dreißig Jahren ist der Anteil der Älteren vor allem in den meisten großen Städten des Landes überdurchschnittlich gestiegen, da viele Familien mit Kindern aus den Städten ins Umland gezogen sind. Die aktuellen regionalen Unterschiede in der Altersstruktur werden die zukünftige Bevölkerungsentwicklung maßgeblich beeinflussen: Diejenigen Gemeinden, in denen der Anteil der Älteren schon heute besonders hoch ist, werden in den nächsten zwanzig Jahren den stärksten Bevölkerungsrückgang zu verkraften haben. Dort, wo der Anteil der älteren Menschen heute relativ gering ist, wird der prozentuale Anteil dieser Bevölkerungsgruppe tendenziell überdurchschnittlich wachsen.
... als Herausforderung für die Politik
Die alternde Bevölkerung ist eine Herausforderung für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie erfordert die Anpassung der sozialen Sicherungssysteme und ist nicht zuletzt auch eine Herausforderung für die Kommunalpolitik. Gemeinden, die aufgrund ihrer „jungen“ Altersstruktur bis heute noch relativ wenige Einrichtungen der Altenpflege benötigen, werden künftig mit einem starken Anstieg des Bedarfs rechnen müssen. Generell wird sich die Infrastruktur in den Kommunen in vielerlei Hinsicht ändern. Das „Jahrhundert der Senioren“, das auf unsere Gesellschaft zukommt, erfordert eine rechtzeitige Auseinandersetzung mit den zu erwartenden Problemen.
Lebenserwartung
Besonders markant in der baden-württembergischen Bevölkerungsentwicklung ist die deutliche Zunahme der durchschnittlichen Lebenserwartung. Sie ist innerhalb von nicht ganz zwei Generationen um etwa zwölf bis 14 Jahre angestiegen. So konnte ein Junge, der um 1949/51 geboren wurde, auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von rund 65 Jahren hoffen, während heute geborene Jungen im Durchschnitt mit über 78 Jahren Lebenszeit rechnen können. Die Lebenserwartung von Frauen hat sich im selben Zeitraum von fast 69 Jahren auf über 83 Jahre erhöht. „Baden-Württemberger leben länger“ – dieser Slogan gilt spätestens seit Anfang der 1970er Jahre im Vergleich zu den anderen Bundesländern.
Die stetig steigende Lebenserwartung ist vor allem auf die deutlich verringerte Säuglingssterblichkeit zurückzuführen. Diese ist nunmehr auf etwa ein Siebtel des Standes von 1970/72 zurückgegangen. Aber auch im höheren Alter hat die Sterblichkeit aufgrund der verbesserten gesundheitlichen Vorsorge und Gesundheitsversorgung beträchtlich abgenommen.
Innerhalb des Landes lassen sich jedoch erstaunliche Unterschiede ausmachen. Über den Zeitraum von 1981 bis heute hinweg gesehen, ergibt sich zwischen den Kreisen mit der höchsten Lebenserwartung (Landkreis Tübingen und Bodenseekreis) und dem Kreis mit der niedrigsten Lebenserwartung (Stadtkreis Mannheim) eine Differenz von zwei bis drei Jahren. Als Erklärungsgründe lassen sich in erster Linie der Einkommens- und Bildungsstatus der Bevölkerung sowie die damit verbundenen Lebensweisen und -einstellungen anführen. In Kreisen mit hohem Einkommen leben die Menschen im Durchschnitt länger. Das gilt ebenso für Kreise mit einem hohen Anteil an Einwohnern mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss.
Geburtenrate
Auch in Baden-Württemberg geht die Geburtenrate zurück. Das Geburtendefizit, also die Differenz zwischen Geborenen und Gestorbenen, ist von rund 4.500 Personen 2008 auf knapp 7.900 im Jahr 2009 angestiegen. Im Südwesten sind 2009 89.700 Kinder geboren worden (2.200 weniger als 2008). Das ist die geringste Geborenenzahl seit Bestehen des Landes. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Gestorbenen um gut 1.100 auf etwa 97.600 erhöht.
Wie in anderen Teilen Deutschlands auch, sorgte der „Pillenknick“ in den 1960er Jahren für einen deutlichen und anhaltenden Rückgang der Geburtenzahlen. Heute liegt die Geburtenrate Baden-Württembergs bei 1,34 Kindern pro Frau. Sie ist damit nur geringfügig höher als in Gesamtdeutschland, wo sie bei 1,33 Kindern pro Frau liegt. Beide Werte sind weit entfernt von der für eine stabile Bevölkerungszahl notwendigen Quote von 2,1 Kindern pro Frau.
Seit 2008 ist in Baden-Württemberg ein Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen. In den Jahren davor hatte Baden-Württemberg praktisch ausschließlich durch Zuwanderungen seine Einwohnerzahl halten können. Ursache dieser Entwicklung ist zum einen, dass das Geburtendefizit weiter angestiegen ist. Zum anderen geht der Wanderungsgewinn zurück. Im Jahr 2009 lag das Wanderungsplus lediglich bei 3.400 Personen. 2001 betrug der Wanderungsgewinn noch gut 69.000 Personen. Von Zuwanderer nach Baden-Württemberg kommt mehr als die Hälfte aus dem Bundesgebiet, vorwiegend aus den östlichen Bundesländern. Die knappe andere Hälfte sind Angehörige anderer Nationen. Die zu erwartenden künftigen Wanderungsgewinne werden aber auch im Südwesten das steigende Geburtendefizit nicht mehr kompensieren können. Der Bevölkerungsrückgang im Land wird sich folglich fortsetzen.
Weiterführende Links
Statistisches Landesamt:
Der demografische Wandel in Baden-Württemberg – Herausforderungen und Chancen (PDF)
Demografie-Spiegel für die Gemeinden in Baden-Württemberg
Bevölkerungsrückgang in Baden-Württemberg 2009 fortgesetzt
Statistisches Landesamt: Arbeitsmarkt im Fokus von Demografie und Bildung (PDF 50,7 KB)
Politik & Unterricht: Demografischer Wandel

Wir werden älter und wir werden weniger
Heft 1/2-2007 PDF (3 MB)
