Landeskunde Baden-Württemberg

 

Weingartner "Trias": DENK-Orte, DENK-Stätten und eine Galerie der Aufrechten

DENK-Stätten-Kuratorium "NS-Dokumentation Oberschwaben" hält in Südwürttemberg die Erinnerung an Widerstand und Opfergruppen im NS-Staat aufrecht

Von Stefan Jehle

Weingarten - DENK-Orte, DENK-Stätten und eine Galerie der Aufrechten. So nennt sich ein Projekt der Erinnerungskultur - das mittlerweile zur Weingartner "Trias" wurde. Welche Kreise die an der Pädagogischen Hochschule der Kreisstadt erst vor wenigen Jahren gestarteten Aktivitäten einst ziehen würden, war nicht voraussehbar: sie sind zu einem "Selbstläufer" geworden. Am Anfang stand die Idee, mehr als 60 so genannte "DENK-Orte" miteinander zu verbinden: Orte, die als Erinnerungswege für einstige jüdische Mitbürger - teils mit Stolpersteinen - kenntlich gemacht, an die in der "T4-Aktion" ermordeten Behinderten, an Herkunftsorte von Widerstandskämpfern erinnern - oder Menschen die sich im "Rettungswiderstand" den Gefahren aussetzten. 

Daraus wurden inzwischen über 60 Biographien, über 60 Orte der Opfer und Verfolgten - über 60 Bilder und Collagen in der "Galerie der Aufrechten". Es sei dies "die bislang dichteste NS-Dokumentation in einer deutschen ländlichen Großregion". So stellt es das DENK-Stätten-Kuratorium "NS-Dokumentation Oberschwaben" fest, das mit der Initialzündung von Vordenker Wolfgang Marcus aus einem zarten Pflänzlein heran wuchs und weitere Kreise zog. Dem Kuratorium gehören sieben Landkreise an, die an den Bodensee angrenzen, und bis ins Donautal und nach Ulm reichen: dazu kommen rund 40 Städte und Gemeinden, Hochschulgruppen, kirchliche Akademien, Religionsgemeinschaften, Gewerkschaften - die Zahl der dem Handeln des Kuratoriums verbundenen Gruppen und Institutionen wuchs auf über 100 an, und reicht bis in die benachbarte Schweiz und das österreichische Bundesland Vorarlberg.

Von "Herzlicher Einladung" zur Erkundung der oberschwäbischen Erinnerungswege, schrieb einst Wolfgang Marcus, der als Historiker und Professor für Philosophie lange Zeit an der Weingartner PH lehrte - und in seinem Wirken Erfahrungen aus der eigenen sächsischen Heimat, in Dresden aufgewachsen, mit einflocht. Schon kurz nach Kriegsende war er in den Westen gegangen - und Oberschwaben wurde später zur Heimat. Ihm, der im August 2016 mit 88 Jahren verstarb, war es wichtig junge Menschen im Studium und Verantwortliche der Erwachsenenbildung zu sensibilisieren. Es sei ihm "nicht nur um das Wissen, sondern um die Anwendung mit Gewissen", gegangen, sagt Uwe Hertrampf, der Marcus nachfolgte als Sprecher des Sekretariats im DENK-Stätten-Kuratorium "NS-Dokumentation Oberschwaben". Marcus selbst hatte vom Vater her jüdische Vorfahren und kämpfte zeitlebens "gegen das Vergessen".

DENK-Stätten: "Eine einzigartige Topographie der Erinnerungskultur"

Dabei leistete die rund 23.000 Einwohner zählende Stadt Weingarten kaum einen nennenswerten Widerstadt gegen das NS-Regime, auch die Zahl der NS-Opfer im katholisch geprägten Oberschwaben war hier eher weniger groß als anderswo. Dem Kuratorium unter Marcus ging es darum, Zeichen zu setzen. "Ohne Gewissen ist alles Wissen nichts", so lautet das aus dem Lateinischen (" sine conscientia omnes scientiae nihil") abgeleitete Motto des Gremiums - das dem Verein "Studentenwerk Weiße Rose e.V." angegliedert ist. Das im August 2006 neu gegründete Studentenwerk widmete dabei unter zeitweiliger Leitung von Wolfgang Marcus seine Aktivitäten den Opfern und dem Vermächtnis der Studentengruppe der Münchner
Widerstandsgruppe "Weiße Rose" rund um die Geschwister Hans und Sophie Scholl.

Die in mittlerweile fünf verschiedenen Broschüren, nach Landkreisen unterteilt, zusammen gefassten "Oberschwäbischen Erinnerungswege" nannte der SPD-Politiker Wolfgang Drexler zu Beginn des Jahres 2016 "eine einzigartige Topographie der Erinnerungskultur". In Weingarten selbst sind Straßenzüge, Schulen und ganze Häuserzeilen nach Widerstandskämpfern gegen das NS-Regime benannt. In dem umgebenden Landkreis Ravensburg, und den benachbarten oberschwäbischen Kreisen Sigmaringen, Bodenseekreis, Biberach, Ulm und dem Alb-Donau-Kreis hat das DENK-Stätten-Kuratorium zudem zur vertieften Forschung über die zwölf Jahre des deutschen Zivilisationsbruchs beigetragen. Bereits bestehende Denk- und Erinnerungsorte wurden vernetzt mit neu verlegten Stolpersteinen, mit Gedenkplatten, mit der Arbeit von Archivaren und ehrenamtlichen Heimatforschern.

Auf diese Weise wurde bekannt, dass Sophie Scholl von der Studentengruppe "Weiße Rose", im April 1941 mit 19 Jahren in Krauchenwies, Kreis Sigmaringen, als "Arbeitsmaid" den obligatorischen Reichsarbeitsdienst antrat. Oder im benachbarten Ostrach kurz vor Kriegsende im Frühjahr 1945 ein "Todesmarsch" von KZ-Häftlingen aus Schömberg durchkam. Erinnert wird an Lynchmorde, etwa an mehreren polnischen Zwangsarbeitern - oder einem US-amerikanischen Fliegeroffizier. Bei dem Band über den Kreis Ravensburg werden die "Euthanasiemorde" geschildert, die ihren Ausgang in den Zieglerschen Anstalten (Wilhelmsdorf), in der südlich von Ravensburg gelegenen "Stiftung Liebenau" (bei Tettnang), oder mit der Abfahrt der "Grauen Busse" von der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Weissenau (heute: Zentrum für Psychiatrie, ZfP), nahmen - und die alle in Grafeneck, auf der Schwäbischen Alb, endeten.

Themenwege: Systematisch "Nähe geschaffen" zu Personen und Opfergruppen

Laut Philipp Stäbler, dem Geschäftsführer des Studentenwerks "Weiße Rose" in Weingarten, der auch in die Arbeit des DENK-Stätten-Kuratoriums eng mit eingebunden ist, sind die großen und wichtigen Gedenkorte in allen Teil-Ausgaben der Broschürenreihe verzeichnet: daraus leiten sich die "Themenwege", wie etwa der "Große Erinnerungsweg Oberschwaben", oder der Themenweg "Graue Busse" ab. Die Themenwege "Jüdisches Oberschwaben" und "Gewissen" dagegen bringen den Leser in vielen Fällen mit ganz konkreten Personen, die zu Opfern wurden, in Verbindung.

Neben den Geschwistern Hans und Sophie Scholl, die durch ihren Vater Robert Scholl mit Ulm verbunden bleiben - der dort lange Zeit lebte, und nach dem Krieg für drei Jahre OB von Ulm geworden war - zählt unter dem Thema "Gewissen" zu diesem Personenkreis auch Reinhold Frank. Frank - geboren in Bachhaupten, Ostrach - wurden am späteren Wirkungsort Karlsruhe zu einem der Verschwörer des 20.Juli 1944. Herausragend ist sicher auch Josef Ruf aus Bad Saulgau (Kreis Sigmaringen), der als pazifistisch gesinnter Klosterbruder den Kriegsdienst und den Eid auf Hitler verweigerte - und dafür (bereits 1940) den Tod unter dem Fallbeil erlitt, so wie im gleichen Jahr der Friedrichshafener Gewerkschafter Fridolin Endraß, 1943 die Geschwister Scholl, und 1945 Reinhold Frank. Nur einem dieser Widerstandskämpfer aus Gewissensgründen, dem 1888 in Ravensburg geborenen Beuroner Erzabt Raphael Walzer, gelang es durch Emigration den Häschern zu entkommen.

Das besondere an den Initiativen des DENK-Stätten-Kuratoriums, mit Vernetzung der bestehende Denk- und Erinnerungsorte, in den Broschüren und mit neu geschaffenen Themenwegen, ist die Erzeugung von Nähe durch lokale und regionale Bezüge. Für Philipp Stäbler und Uwe Hertrampf vom Kuratorium ist dieser Aspekt wirklich neu. Es wurde "ein Verbund geschaffen", den es in der Form bislang noch nirgends gab. Neben dem einstigen jüdischen Leben in Bad Buchau (Kreis Biberach) - dem die Eltern des in Ulm geborenen Nobelpreisträger Albert Einstein entstammen - wird auch das jüdische Ulm thematisiert. Oder jüdischen Spuren nachgegangen in Laupheim, Leutkirch (Kreis Ravensburg), Überlingen (Bodenseekreis) und dem österreichischen Hohenems im Bundesland Vorarlberg. Daneben werden KZ-Außenlager in Raderach (Friedrichshafen), Birnau und Aufkirch bei Überlingen, Saulgau, am Heuberg (Schwäbische Alb) und am Oberen Kuhberg (Ulm) zum Thema.

"Rettungswiderstand": wenn Einzelne Tausenden anderen zur Flucht verhelfen

Für den pensionierten Pädagogen Hertrampf wird mit der Vielzahl der Orte auch "die Vielschichtigkeit der Opfer" deutlich - der Verfolgten, und all der Beteiligten im Widerstand, auch der Akteure im so genannten "Rettungswiderstand". Dieser bislang eher unbekannte Begriff subsumiert die Aktivitäten von Menschen, die unter Gefahr für Leib und Leben, verfolgten Juden etwa, Unterschlupf und Grenzübergang anboten: etwa im Falle des Polizeibeamten Paul Grüninger, der in dem Grenzort Diepoldsau - der die St. Galler Ostschweiz vom österreichischen Bundesland Vorarlberg trennt - in den Jahren 1938 und 1939 vermutlich einigen Tausend Menschen die Flucht ermöglichte. Grüninger war 1940 wegen Amtspflichtverletzung, nachdem man ihn bereits im Frühjahr 1939 entließ, von Schweizer Gerichten verurteilt - und erst 1998, über 25 Jahre nach seinem Tod, von den Eidgenossen vollends rehabilitiert worden. 

Auch solche Einzelschicksale sind es, die das Netzwerk DENK-Stätten-Kuratorium zu etwas besonderem machen. Für den ursprünglichen Initiator, Wolfgang Marcus, der auch das Leid so manches vom NS-Regime gepeinigten, und in den Selbstmord getriebenen Opfers gewürdigt sehen wollte, war es wichtig, dass an den DENK-Stätten jeweils eine gemeinsam entworfene Tafel mit dem Logo des Kuratoriums angebracht wird. Zur Weingartner "Trias", dem Projekt der Erinnerungskultur, werden die Aktivitäten durch das Zusammenspiel von den gewürdigten DENK-Stätten und DENK-Orten, mit der Veröffentlichung in den inzwischen fünf erschienen Broschüren: und der 2015 neu dazu gekommenen "Galerie der Aufrechten".

Nicht zu vergessen: die am 9.November 2015, dem Erinnerungstag der Progromnacht, erfolgte Widmung von zahlreichen studentischen Gebäuden in Weingarten, die die Namen von Mitgliedern der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" erhielten. Seitdem gibt es den "Alexander Schmorell Bau" - in dem die Verwaltung des Studentenwerks beheimatet ist. Gewidmet sind neue Wohnheime als "Geschwister Scholl Bau", als "Willi Graf Bau" und als "Christoph Probst Bau". Insgesamt sind mehr als 20 Gebäude neu benannt worden, sie alle tragen Namen von Widerstandskämpfern. Das Ensemble trägt nun den Namen "Denkstätte Widerstand Weingarten".

"Galerie der Aufrechten": 60 Gemälde und Collagen von Opfern und Verfolgten

Last but not least: Nach der Widmung von Hochschulgebäuden im Jahr 2015, gibt es inzwischen zudem eine "Galerie der Aufrechten" - über 60 Gemälde und Collagen. Diese findet besonders viel Anklang, und durchlief bereits zwei Ausstellungen, in Laupheim und in Mannheim. Die Gemälde und Collagen sind neu entstandene Auftragsarbeiten, von kirchlichen Organisationen oder Mäzenen beauftragte Künstler ermöglichen neue Blicke auf eine Vielzahl von Opfern, Verfolgten oder Widerständlern. Anhand von Fotographien werden bekannte und unbekannte Gesichter des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in einem völlig neuen Kontext erfahrbar. Der katholische Priester Max Joseph Metzger oder der jüdische Designer Friedrich Adler, die während der Kriegsjahre ermorde wurden, sind in Aquarellen abgebildet.

Christoph Probst, der Schulfreund von Alexander Schmorell und Mitstreiter von Hans und Sophie Scholl erscheint in leuchtend-warmen Pastellfarben. In einem Gemälde neu erschaffen ist auch der Jude Kurt Hahn, der 1920 zusammen mit Prinz Max von Baden die Schule Schloss Salem gründete, und 1933 nach England emigrierte. Leihgaben zu der Sammlung von der Diözese Rottenburg-Stuttgart sind die Ölgemälde von Eugen Bolz, dem 1945 in Plötzensee enthaupteten einstigen württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz - und dem Attentäter des 20.Juli, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der noch in jener Julinacht 1944 den Tod fand.

Kämpferisch wirkt der Friedrichshafener Gewerkschafter und Werksarbeiter Fridolin Endraß. Das Bild ist eine Leihgabe der Kunstsammlung Bodenseekreis. An das Schicksal durch Selbstmord erinnert ein Porträt des Juden Hermann Levinger, der - in Karlsruhe geboren - lange Zeit Landrat von Überlingen war, und 1944 der Deportation, zusammen mit seiner Tochter Barbara, durch Suizid entging. Der in dem kleinen Dorf Bachhaupten bei Ostrach (Kreis Sigmaringen) geborene Reinhold Frank - lange Zeit in Karlsruhe als Rechtsanwalt tätig - wurde wegen seiner Beteiligung am Attentat des 20.Juli 44 am 12.Januar 1945 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, und am folgenden 23.Januar in Plötzensee hingerichtet. Der beauftragte Künstler hatte ihn gleich mit zwei Motiven festgehalten: in grauen und schwarzen Farbtönen in der Verhandlung am Berliner Volksgerichtshof - und, ohne sein Gesicht zu zeigen, bei der Ermordung in der Hinrichtungsstätte Plötzensee.

An vielen dieser Gemälde und Collagen nehmen laut dem DENK-Stätten-Kuratorium Nachfahren der Abgebildeten regen Anteil. "Wolfgang Marcus hat die Basis gelegt. Jetzt gilt es dieses zu nutzen und die Vermittlung in Schulen und bei Studenten voranzutreiben", sagt Uwe Hertrampf, der Sprecher des Sekretariats.

DENK-Stätten : Einführung in die Projektkonzeption

In  jeder der bislang fünf, jeweils 60 Seiten umfassenden Broschüren des DENK-Stätten-Kuratoriums ist als „Hinweis zum Gebrauch“ eine Anleitung vorangestellt.

Website der DENK-Stätten

Zur Systematik der Wege und Orte:

  1. Es sind fünf kreisbezogene Wege ausgewiesen: für die Landkreise Bodenseekreis, Sigmaringen, Ravensburg, Biberach, Ulm mit Alb-Donau-Kreis.

    • An jedem dieser Wege liegen mindestens zehn (bis zu achtzehn) DENKorte. Die Konzeption der kreisbezogenen Wege versucht zu gewährleisten, dass im Verlauf eines (Unterrichts)-Tages die wichtigsten Stationen eines solchen Weges didaktisch sinnvoll einer Schulklasse oder historisch interessierten Gruppen oder Individuen
      aufgeschlossen werden können.
    • Ferner ist in dieser Konzeption darauf geachtet, dass die in Oberschwaben dokumentierbaren typischen Verhaltens- und Unrechtsmuster des NS-Systems auf jedem kreisbezogenen Weg in mindestens je einem DENKort erfahrbar werden.

  2. DENKorte außerhalb dieser kreisbezogenen Wege gibt es an zwei Zugängen nach Oberschwaben: Im Nordwesten Grafeneck/ Buttenhausen/Zwiefalten (alle Landkreis Reutlingen). Im Südosten Diepoldsau/Au, Paul Grüninger Brücke und Grab – (Schweiz), Hohenems Jüdisches Museum / Jüdisches Viertel – (Österreich).
  3. Aus den ca. 60 DENKorten an den kreisbezogenen Wegen werden die cirka 30 historisch bedeutsamsten an einem „Großer Erinnerungsweg Oberschwaben“ liegend ausgewiesen. Dieser kann entweder zur Gänze als eine Art Rundweg oder in einer West- oder Ostroute – beide beginnend bzw. endend in Ulm oder Friedrichshafen – „erfahren“ werden. Wer alle Stationen des „Großer Erinnerungsweg Oberschwaben“ kennen lernen will, kann dies innerhalb eines Tages nicht erreichen und sollte sich Tagesziele vornehmen.
  4. Die in seiner Landschaft und Geschichte angelegten Strukturen bringen es mit sich, dass Oberschwaben für den ideologischen und politischen Zugriff des NS-Systems an folgenden Stellen besonders stark tangiert wurde:

    • als Raum der T4 (Euthanasie-) Aktionen der Nazis (ermöglicht durch zahlreiche psychiatrische Anstalten = frühere Klöster: so liegt mindestens eine T4 Station an jedem kreisbezogenen Erinnerungsweg).
    • als Raum, in dem – kriegswirtschaftlich bedingt – besonders viele Zwangsarbeiter aus besetzten Ländern Europas in Industrie und Landwirtschaft eingesetzt wurden. (so sind Zwangsarbeiterlager und Zwangsarbeitergräber Orte eines jeden  Erinnerungsweges).
    • Das Landjudentum, seine sich urbanisierende Kultur und sein intellektuelles Potential bis hin zu dem aus ihm hervorgegangenen Nobelpreisträger Albert Einstein, hat in Oberschwaben stärker als in anderen deutschen Landschaften Prägekraft entwickelt – hier fand der Antisemitismus der Nazis reiches und spezifisches Betätigungsfeld bis zu Vertreibungen, Deportationen und Ermordung (entsprechende DENKorte liegen an allen Erinnerungswegen).
    • Spezifika der NS-Dokumentation Oberschwabens sind die frühen „Schutzhaft“-KZ auf dem Heuberg und Oberer Kuhberg (Ulm), der hohe Blutzoll, den der Antiziganismus der Nazis den deutschen Sinti abforderte , eine Widerstandsbreite, die von Arbeiterwiderstand bis zu Widerstand aus katholischem Milieu reicht, in den Umkreis der „Weißen Rose“ (Ulm und Krauchenwies) hineinweist und Individuen wachen Gewissens wie Josef Ruf (als Kriegsdienstverweigerer hingerichtet) und Reinhold Frank (als in die Geschehnisse des 20. Juli 44 eingebunden)

  5. Erinnerungswege mit THEMATISCHEN SCHWERPUNKTEN sind auf der Basis der DENKort-Typen eingerichtet:

    • Erinnerungsweg STÄTTEN der GRAUEN BUSSE: Gammertingen – Sigmaringen – Wilhelmsdorf – Liebenau –Weißenau – Bad Schussenried – Zwiefalten – Grafeneck
    • Erinnerungsweg ZWANGSARBEITS-GEDENKEN Friedrichshafen – Lager an der Hochstraße – Hauptfriedhof – Oberraderach – Friedhof Birnau – Goldbacher Stollen (KZ-Aufkirch) – Salem (Polenlinde) - Illmensee-Ruschweiler - Pfullendorf (alternativ für Zwangsarbeit in der Landwirtschaft) – Bad Saulgau (KZ-Außenlager) – Sigmaringendorf (Gräber von Zwangsarbeitern) – Ostrach (Gräber vom Todesmarsch Albtrauf-Dachau) – Ravensburg (Hauptfriedhof ) – Weingarten (Zwangsarbeiterlager Abteistr. 5)
    • Erinnerungsweg „JÜDISCHES OBERSCHWABEN“: Jüdisches Museum Hohenems – Ravensburg („Arisierungen“) – Laupheim (Friedhof und „Museum zur Geschichte von Christen und Juden“) – Jüdisches Ulm – Bad Buchau (Jüdisches Viertel / Bahnhof / Friedhof = der „gute Ort“) – Buttenhausen (Museum / Jüdische Dorfseite/ Friedhof)
    • Erinnerungsweg „STÄTTEN WACHEN GEWISSENS“ Krauchenwies (Sophie Scholl) – Ostrach (Reinhold Frank) – Saulgau-Hochberg (Josef Ruf) – Weingarten (in Vorbereitung: DENKStätte Widerstand im Campus Weiße Rose: GEDENKEN der 7 Hingerichteten der Weiße Rose Widerstandsgruppe und der über 70 studentischen Todesopfer des Stalinismus) – Ravensburg (Raphael Walzer) – Friedrichshafen (Fridolin Endraß und die Gruppe um Lilo Herrmann)