Landeskunde Baden-Württemberg

 

Straßburg und das Elsass fallen an das Deutsche Reich

Der bei Kriegsbeginn 1870 auf der badischen Seite gesprengte Teil der Eisenbahnbrücke. Foto: Stadtarchiv Kehl

Von neuem waren es jedoch Krieg und Politik, die den Straßburger Rheinbrücken 1870/71 eine neue Funktion zuwiesen. Zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges kam es zur Belagerung und Einnahme Straßburgs. Bereits am 28. September 1870 kapitulierte die Stadt, nachdem sie einen Monat lang der Kanonade getrotzt hatte. Die Brücken waren bei Kriegsausbruch auf der badischen Seite teilweise zerstört worden, noch im selben Jahr wurden sie provisorisch wiederhergestellt. Soldaten, Waffen und Lebensmittel kamen über den Fluss und gewährleisteten den Vormarsch der deutschen Truppen in Frankreich.

Als die Waffen schließlich schwiegen, musste das geschlagene Frankreich die Stadt Straßburg und das Elsass an das neu gegründete Deutsche Reich abtreten. 200 Jahre nach den Annexionen Ludwigs XIV. wurde die französische Ostgrenze wieder vom Rhein nach Westen verschoben und lag jetzt für 47 Jahre auf dem Vogesenkamm. Die Straßburger Rheinbrücken waren jetzt keine Grenzbrücken mehr. Der Festungscharakter der Stadt engte die Verkehrsentwicklung zwar noch ein, aber die Brücken wurden jetzt als ein vitales Element in die moderne Großstadtentwicklung einbezogen, die sich in der Wilhelminischen Zeit in Straßburg vollzog. Das rechtsrheinische badische Kehl profitierte von dieser Entwicklung, etwa durch die Straßenbahnverbindung mit Straßburg über die Rheinbrücke seit 1898.

Neben den Festungen Metz und Köln wurde Straßburg nach 1871 zu einer der wichtigsten Festungen im Westen des Deutschen Reiches ausgebaut. Im Zuge der Stadterweiterung entstand eine moderne Umwallung, die ältere Abschnitte aus der französischen Zeit einbezog. Von den Wallanlagen sind im Osten der Stadt Reste der Zitadelle von Vauban erhalten, vor allem aber große Teile der preußischen Befestigungen entlang der Rue du Rempart hinter dem Bahnhof. Neben dieser inneren Umwallung entstand in weitem Umkreis um Straßburg und Kehl ein Gürtel aus zwölf Außenforts nach dem Einheitsfortsystem von Hans Alexis von Biehler. Diese Forts wurden nach 1918 von der französischen Armee benutzt, Fort Podbielski/ Ducrot wurde in die Maginot-Linie einbezogen. Sie dienten 1918 und erneut 1945 als Kriegsgefangenenlager. Die drei Kehler Forts wurden nach dem Ersten beziehungsweise Zweiten Weltkrieg gesprengt.