Landeskunde Baden-Württemberg

 

Die "Schwabenzüge" und ihre Folgen

Die deutschen Siedlungsgebiete in Ostmittel- und Südosteuropa sind das Ergebnis von Kolonisationsprozessen des Mittelalters und der Neuzeit. Insbesondere die Zuwanderung aus dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation seit dem 18. Jahrhundert legte den Grundstein für die Entstehung deutscher Minderheiten in Südosteuropa, darunter die Donauschwaben in Jugoslawien, Rumänien und Ungarn. Foto: Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Tübingen

Die  planmäßig  angelegte  Besiedlung  der  neu  eroberten Gebiete, bei der neben anderen deutsche Siedler die Mehrheit bildeten, vollzog sich kontinuierlich während des gesamten 18. bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Ansiedlung erfolgte sowohl in neu errichteten als auch in bestehenden Siedlungen, in denen Magyaren, Serben, Kroaten und Rumänen lebten. Dabei sind mehrere Perioden auszumachen – später als „Schwabenzüge“ gedeutet –, in denen die Zahl der Ansiedler besonders hoch war: Die frühe Phase beginnend mit dem Jahr 1686 bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts und dann die Jahre 1712 bis 1726, 1763 bis 1772 und 1782 bis 1788.

Das Ergebnis der staatlichen und der privaten Anwerbung von Siedlern im gesamten südwestdeutschen Raum von der Schweiz über Oberschwaben, Rheinland-Pfalz, Lothringen, bis Trier, aber auch in Hessen, Franken und Bayern, waren mehrere Siedlungsschwerpunkte: das Ungarische Mittelgebirge vom nördlichen Ufer des Plattensees (Balaton) bis zum Donauknie; die Schwäbische Türkei zwischen Plattensee, Drau und Donau; die Batschka zwischen Donau und Theiß; das Banat zwischen Theiß, Marosch und Donau; das Gebiet um Sathmar sowie die größtenteils zwischen Drau und Save gelegenen Gebiete Slawonien und Syrmien. Schätzungen gehen von einer halben Million Auswanderer bis Mitte des 19. Jahrhunderts im Zuge der Kolonisationsprozesse nach Südosteuropa aus.

Die  mit  der  Ansiedlung  verbundenen  Ziele  konnten  unter großen  Anstrengungen  und  in  einem  längeren  Zeitraum erreicht werden. Weite Flächen wurden urbar gemacht, wobei insbesondere der Bau von Entwässerungsanlagen und Wasserstraßen hervorzuheben ist. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts galt das Banat als eine Kornkammer der Habsburger Monarchie. Aber auch der Aufschwung, den das staatlich geförderte Berg- und Hüttenwesen erlebte, ist eine Folge der Ansiedlungen. Es entstand eine ansehnliche Zahl neuer Ortschaften, die ein  blühendes  Wirtschafts-  und  Gemeindeleben  entwickelten.  Die  Kolonisationsprozesse  fächerten  zudem  die  ethnische, sprachliche, konfessionelle und kulturelle Vielfalt der Ansiedlungsgebiete weiter auf. Die zunächst intensiven Kontakte zu den Herkunftsgebieten gingen nach und nach ebenso verloren, wie die Verbindungen der Herkunftsorte zu ihren ehemaligen Bewohnern.