Landeskunde Baden-Württemberg

 

Der "Remstal-Rebell" Helmut Palmer

Das Haus von Helmut Palmer in Remshalden-Geradstetten 2006. Das Fachwerkhaus ist über und über mit Parolen, Statements, Daten, Wappen und anderem geschmückt. Einige Zitate: "Unruhe ist erste Bürgerpflicht", "Lieber Stein des Anstosses als anstössig", "Ein kleiner Spatz wies Amtsleuten den Weg", "Eine geniale Leistung des Schneiders von Ulm vom simplen Volk verkannt und verspottet", "Dommheit dui isch so: selbr merkt mr nex drvo", "Und vergib ihnen nicht, denn sie wissen, was sie tun". Foto: Wildfeuer, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, Original unter: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:2006-12-18GeradstettenPalmerhaus02.jpg

Fast schon als eigenständiger „Erinnerungsort“ ist der „Remstal- Rebell“ Helmut Palmer (1930–2004) zu werten, für die einen „Bruddler“, Berufsquerulant und Dauerdemonstrant, für die anderen Bürgerrechtler und Vorgänger des modernen „Wutbürgers“, auf alle Fälle aber Sinnbild altwürttembergischer Protest- und Partizipationskultur mit fast religiös zu nennendem Eifer. Als Einzelkämpfer hat der „ politische Pomologe“ (Obstbau und Politik aus Passion lautet einer seiner Buchtitel) bei über 250 Wahlen in Baden-Württemberg kandidiert. 1974 wäre er beinahe Oberbürgermeister in Schwäbisch Hall geworden.

Auf den Hohenasperg kam er zwei Mal: Das erste Mal 1963 in die psychiatrische Abteilung wegen mehrerer Beamtenbeleidigungen und tätlicher Auseinandersetzungen im Gerichtsgefängnis, das zweite Mal im Jahr 2000, weil er sich weigerte, eine Geldbuße von 1000 Mark zu bezahlen, die er zusammen mit einer dreimonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung erhalten hatte, weil er einen Gerichtsbeamten mit der Frage „Welche Nazi-Muttermilch hast Du gesoffen?“ beschimpft hatte. Dem schwer krebskranken und frisch operierten Palmer wurde Haftfähigkeit und dem Vollzugskrankenhaus Hohenasperg Tauglichkeit für die Aufnahme eines Krebspatienten attestiert. Gnadengesuche etwa von Rezzo Schlauch (dem damaligen Vorsitzenden der Bundestagsfraktion der Grünen) oder von Stuttgarts Alt-Oberbürgermeister Manfred Rommel wurden von der Landesregierung nicht erhört.