Landeskunde Baden-Württemberg

 

"Wer Freiheit liebt, den sperrt man ein"

Der Satz des Arztes und Dichters Theobald Kerner (1817– 1907), Sohn von Justinus Kerner, steht beispielhaft für das 19. Jahrhundert und seine Freiheitsbewegungen, die den eigentlichen Ruf des Hohenaspergs als „Demokratenbuckel“ und politisches Gefängnis begründet haben. Wann aber ist ein Gefängnis oder ein Häftling „politisch“? Man wird die Entscheidung über diese Frage nicht nur den Herrschenden oder der Justiz überlassen dürfen, die bisweilen dazu neigen, politisch Opponierende als „gewöhnliche Verbrecher“ zu stigmatiseren. Vielmehr wird man im Sinne einer verstehenden Annäherung den „Tätern“, die sich selbst als politische Häftlinge verstanden, ihre wie auch immer gelagerte politische Motivation zugestehen müssen. Gleichsam „politisch“ ist ein Häftling aber natürlich auch dann, wenn er über seine bloße Tat hinaus politische Bedeutung erlangt und damit Auswirkungen auf Staat und Gesellschaft hat. Für die allermeisten der politisch Verfolgten und Inhaftierten auf dem Hohenasperg trifft dies sicherlich zu.

In den 1820er-Jahren begann der württembergische König, verstärkt die Karlsbader Beschlüsse von 1819 umzusetzen. Es war die Reaktion der Fürsten auf die nationalpatriotische Burschenschaftsbewegung und auf die Ermordung des Schriftstellers August von Kotzebue im März 1819 in Mannheim durch den Burschenschafter Karl Ludwig Sand. In der Praxis ging es um die verschärfte Überwachung der Universitäten, um Buch- und Pressezensur, generell um die Unterdrückung „demagogischer Umtriebe“. Der Hohenasperg wurde nun zum Untersuchungsgefängnis und zum Sitz von mehreren Untersuchungskommissionen gegen ganze Gruppen mit „staatsverbrecherischer Gesinnung“. Unter den zahlreichen Arrestanten war 1836 unter anderem auch der Philosophiestudent Berthold Auerbach (1812–1882), der später als Dichter bedeutend werden sollte.