Landeskunde Baden-Württemberg

 

Geschichte der DDR und der Wiedervereinigung

Anna Kaminsky (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR. Ch. Links Verlag, Berlin 2016, 664 Seiten. ISBN: 978-3-86153-862-2. EUR 30,00.

Mehr als 900 Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen erinnern in der Bundesrepublik an die kommunistische Diktatur in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR. Sie sind Ausdruck der vielfältigen Erinnerung an das geschehene Unrecht, an Verfolgung und Repression, an die deutsche Teilung und ihre Folgen. Sie erinnern aber auch an den Mut und die Zivilcourage derjenigen, die sich in den vier Jahrzehnten dieser Diktatur widersetzten und dazu beitrugen, dass sie mit der Friedlichen Revolution vom Herbst 1989 überwunden werden konnte. Schließlich dokumentieren sie auch die Freude über die deutsche Einheit. Der vorliegende Band richtet den Blick auf die Gegenwart der Vergangenheit im Alltag vor Ort. »Orte des Erinnerns« soll dazu anregen, sich mit der Geschichte der SED-Diktatur, der deutschen Teilung und ihren Folgen auseinanderzusetzen.

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Ilko-Sascha Kowalczuk: Stasi konkret. Überwachung und Repression in der DDR. Verlag C.H. Beck, München 2013. 428 Seiten, ISBN: 978-3-406-63838-1, EUR 17,95.

Eine lückenlose Überwachung von Post und Telefon, ein Spitzel in jeder Kneipe, die Verstrahlung von Oppositionellen – es gibt nur wenig, was man der Stasi nicht zutraut. Doch was konnten Mielkes Männer wirklich? Dass sie alles wussten, mithörten und kontrollierten, vermuteten viele Menschen in der DDR. Die Stasi selbst schürte diesen Mythos, um den Anpassungsdruck zu erhöhen. Nach 1989/90 ist das MfS zudem regelrecht dämonisiert worden. Ließ sich die Verantwortung für die SED-Diktatur auf diese Weise doch bequem auf einer einzigen ihrer Säulen abladen.

Ilko-Sascha Kowalczuk erzählt in diesem Buch die Geschichte der Stasi, zeigt, wer ihre Gründer waren und hinterfragt manche der scheinbaren Gewissheiten, die sich mit ihrem Bild verbinden. So liefert er etwa gute Argumente dafür, dass die Zahl der IM nur halb so hoch gelegen haben dürfte, wie gemeinhin angenommen, und dass die Intensität der Postkontrolle und der Einfluss im Westen überschätzt werden. Viel zu lange hat sich die Forschung an den Plänen, Begrifflichkeiten und Kategorien des MfS orientiert. Es wird Zeit für eine Geschichte von unten, die fragt, was die Stasi konkret tat. Die DDR wird nicht Stasi-, sondern vollkommen zutreffend SED-Diktatur genannt.

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Regina Wick: Die Mauer muss weg – Die DDR soll bleiben. Die Deutschlandpolitik der Grünen von 1979 bis 1990. Verlag W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart 2012, 326 Seiten. ISBN 978-3-17-022944-0, EUR 39,90.

Knapp 30 Jahre benötigten die Grünen, um in Deutschland Wahlen gewinnen und sogar einen Ministerpräsidenten stellen zu können. Begleitet wurde dieser Aufstieg von einem grundlegenden Wandel bundesdeutscher Vorstellungswelten in den Bereichen Umweltschutz und Bürgerbeteiligung. Gerne übersehen wird dabei, dass die parlamentarische Zukunft der Partei nach der verlorenen Bundestagswahl 1990 alles andere als gewiss war. Die Grünen hatten sich mit ihrer Deutschlandpolitik ins politische Abseits manövriert. Sie hatten als erste und einzige Bundestagspartei die Anerkennung der DDR gefordert, gleichzeitig aber eine einzigartige Solidarität mit der dortigen Bürgerrechtsbewegung praktiziert. Das Buch spürt einer paradoxen Politik nach, die entgegen ihrer erklärten Absicht die deutsche Einheit beförderte und die Grünen zu einer umfassenden Neuorientierung zwang.

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Andreas Rödder: Deutschland einig Vaterland. Die Geschichte der Wiedervereinigung. Verlag C.H. Beck, München 2009. 495 Seiten. ISBN 978-3-406-56281-5. 24,90 EUR.

Schon den Zeitgenossen war klar: 1989/90 erlebten sie Weltgeschichte. Der Zusammenbruch des Ostblocks, der Fall der Mauer, das Ende der DDR, die Wiedervereinigung Deutschlands beendeten eine Epoche, die im Zeichen der Weltkriege und des Ost-West-Konflikts gestanden hatte. Ein neues Zeitalter begann. Dieses Buch erzählt, wie alles geschah. Andreas Rödder, Professor an der Universität Mainz und ehemals an der Universität Stuttgart habilitiert, legt auf der Grundlage intensiver Quellenforschungen und zahlreicher Gespräche mit Zeitzeugen die erste historisch fundierte Geschichte der deutschen Wieder-vereinigung vor. Schließlich resümiert er die nationalen und internationalen Folgen der Wiedervereinigung. Andreas Rödders Buch ist eine mit großer Sensibilität für die unterschiedlichen Perspektiven von West- und Ostdeutschen geschriebene Gesamtdarstellung der deutschen Einheit.

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