Ludwig Marum (1882-1934)

Bild: LMZ

Als jüdischstämmiger Rechtsanwalt, herausragender Parlamentarier, Repräsentant der badischen Arbeiterbewegung und entschiedener Gegner des NS-Regimes zählt Ludwig Marum zu den markantesten Figuren der südwestdeutschen Demokratiegeschichte. Er wurde in der Folge seiner öffentlichen Kritik an Hitler im Konzentrationslager Kislau interniert und opferte sein Leben für seine demokratisch-rechtsstaatliche Gesinnung. Aus der Gefangenschaft hinterließ er seiner Frau die für seine unnachgiebige Haltung charakteristischen Zeilen: „Meine Freiheit können sie mir nehmen, aber nicht meine Würde und meinen Stolz.“ 

Ludwig Marum wurde am 5. November 1882 in Frankenthal (Pfalz) geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters zog die Mutter gemeinsam mit den beiden Kindern zu Verwandten nach Bruchsal. Von seinem Onkel finanziell unterstützt, konnte Marum ein Jurastudium absolvieren und sich als Rechtsanwalt in Karlsruhe niederlassen. Angesichts antisemitischer Anfeindungen früh politisiert, trat er in jungen Jahren der badischen SPD bei und engagierte sich immer wieder ehrenamtlich für mittellose Klienten.

Anfänglich noch Stadtverordneter in Karlsruhe, wurde Marum bereits 1914 in die zweite Kammer des Badischen Landtags gewählt und avancierte zum Vorsprecher der seit 1917 zunehmenden Forderungen nach demokratischen Verfassungsreformen.

Einsatz für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit

Nach Ausbruch der Novemberrevolution von 1918 leistete Marum als Justizminister der provisorischen Landesregierung einen maßgeblichen Beitrag zur Durchsetzung der republikanischen Ordnung in Baden und zählte auch im weiteren Verlauf der Weimarer Republik als Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion zu den führenden badischen Landespolitikern. Inhaltlich setzte er sich für demokratische und rechtsstaatliche Ideale, eine politische Kultur des Ausgleichs und Gleichberechtigung ein. Obwohl er die religiöse Bindung an das Judentum früh abgelegt hatte, bekannte er sich wiederholt zu seinen jüdischen Wurzeln und bekämpfte antisemitische Strömungen.

1928 zog er als Abgeordneter in den Reichstag ein und wandte sich wiederholt gegen die aufsteigende nationalsozialistische Bewegung. Nachdem er die Regierung Hitlers im März 1933 in einer öffentlichen Wahlkampfrede besonders scharf attackiert hatte, wurde er unter Brechung seiner parlamentarischen Immunität in Schutzhaft genommen und einige Wochen später im Konzentrationslager Kislau bei Bruchsal interniert. Bis zuletzt auf die Geltung rechtsstaatlicher Normen vertrauend, schlug Marum eine mögliche Chance zur Flucht als verantwortungslos aus und wurde am 29. März 1934 in seiner Zelle ermordet.


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