Leo Wohleb (1888-1955)

Bild: LMZ

Bis heute ist Leo Wohleb eine umstrittene Persönlichkeit in der politischen Geschichte Baden-Württembergs. Als Staatspräsident und Minister Badens war er der bekannteste Gegner der Gründung eines Südweststaates. Gleichzeitig setzte er sich für den Föderalismus und die europäische Einigung ein und war an der Gründung der Bundesrepublik Deutschland beteiligt.

Leo Wohleb wurde 1888 in Freiburg im Breisgau als Sohn eines Buchhalters geboren, der ihn im katholischen Glauben erzog. Nach dem Abitur studierte Wohleb zunächst Archäologie, Bibelforschung und Patrologie, später wechselte er jedoch die Laufbahn und wurde Lehrer für Griechisch, Latein und Germanistik in Bruchsal. Wohleb galt als einer der Honoratioren der Stadt. Er engagierte sich ehrenamtlich in Vereinen, verfasste wissenschaftliche Abhandlungen und wurde Mitglied der Paneuropa-Bewegung.

1931 übernahm Leo Wohleb die Stelle als Referent für Alte Sprachen im badischen Kultusministerium an. Nachdem die Nationalsozialisten jedoch die Regierungsgewalt in Baden übernommen hatten, wurde er zunächst beurlaubt und anschließend suspendiert. Trotz seiner anfänglichen Vorsicht in Bezug auf politische Meinungsäußerungen wurde Wohleb von der NSDAP skeptisch beobachtet, da er kein Mitglied der Partei war. Später äußerte er sich auch im Unterricht mitunter regimekritisch.

Einsatz für die badische Identität

Nach 1945 war Leo Wohleb zunächst in der badischen Kultusverwaltung in Karlsruhe, später in Freiburg tätig. Dort beteiligte er sich im selben Jahr an der Gründung der Badischen Christlich-Sozialen Volkspartei (BCSV), die später zur CDU Baden werden sollte. 1947 wurde Leo Wohleb zum badischen Staatspräsidenten gewählt. In dieser Funktion bemühte er sich um eine friedliche, kompromissbereite Zusammenarbeit mit der französischen Besatzungsmacht, und setzte sich vor allem für badisch-heimatliche Traditionspflege ein.

Insgesamt war Leo Wohlebs Politik geprägt von dem Streben nach Harmonie und Konsens. Dies traf jedoch nicht auf  die Südweststaat-Frage zu. Wohleb verfolgte eine Wiederherstellung des Landes Baden in den Grenzen von 1933 und stellte sich damit entschieden gegen die Entwürfe eines vereinten Südweststaates. Als die Gründung dieses gemeinsamen Staates schließlich beschlossen wurde, musste Wohleb eine schwere Enttäuschung hinnehmen.

Nach Ende seiner Amtszeit als Staatspräsident und Kultusminister 1952 wurde er von Konrad Adenauer als Erster Gesandter der Bundesrepublik in Portugal ernannt.

Leo Wohleb starb 1955 in Frankfurt am Main.


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