Landeskunde Baden-Württemberg

 

Verlauf der Revolution

Deutschland ist seit 1806 keine politische Einheit mehr. Die Veränderungen durch Napoleon haben 39 Kleinstaaten ergeben. Dazu gehören im Südwesten das Königreich Württemberg und das Großherzogtum Baden. In beiden Staaten gibt es seit 1819 bzw. 1818 Verfassungen. Hohenzollern ist aufgespalten in zwei Fürstentümer unter der Herrschaft der Linien von Sigmaringen und Hechingen, die ab 1833 bzw. 1835 konstitutionelle Verfassungen haben. Nach der Revolution werden beide Fürstentümer Teil Preußens.

 

1847

12. September Eine Volksversammlung im Gasthaus „ Salmen" in Offenburg formuliert demokratische Forderungen an die badische Regierung, z.B. persönliche Freiheit, Presse-, Gewissens- und Lehrfreiheit, gerechte Besteuerung, Abbau von Adelsprivilegien.

1848

12. Februar Antrag des Abgeordneten Friedrich Daniel Bassermann in der Zweiten Badischen Kammer: der Bundestag soll veranlasst werden, ein deutsches Parlament zu berufen.
22. - 24. Februar Februar-Revolution in Paris. Der Bürgerkönig Louis Philippe wird zur Abdankung gezwungen, Frankreich zur Republik erklärt.
27. Februar Eine Bürgerversammlung in Mannheim beschließt eine Petition mit demokratischen Forderungen, die der Zweiten Kammer des Badischen Landtags übergeben wird: „ Wohlstand, Bildung und Freiheit für alle Klassen der Gesellschaft ohne Unterschied der Geburt und des Standes."
19. März Eine Offenburger Versammlung erhebt Forderungen nach Volksbewaffnung, Bildung von revolutionären Volksvereinen und Zusammentritt einer Volksversammlung.
31. März Ein Vorparlament, gebildet aus fortschrittlichen Mitgliedern der deutschen Ständeversammlungen, tritt in Frankfurt a.M. zusammen. Es bereitet die Wahl einer Verfassungsgebenden Nationalversammlung vor.
Anfang April Da die badische Regierung aus guten Gründen ihren Soldaten misstraut, veranlasst sie, als sie von dem geplanten Aufstand Heckers erfährt, die Mobilmachung des 8. Deutschen Bundeskorps, das aus Hessen, Württembergern und Bayern besteht.
8. April In Karlsruhe Verhaftung des Konstanzers Josef Fickler, des aktivsten Mitglieds der Republikanischen Partei, als er gerade die Heimfahrt in den Seekreis antreten will.
12. April Nachdem sie ihre radikalen Positionen im Vorparlament nicht durchsetzen konnten und erst recht nach der Verhaftung Ficklers, rufen Friedrich Hecker und Gustav Struve von Konstanz aus zum bewaffneten Widerstand auf.
13. - 27. April Hecker führt einen Zug Freischärler von Konstanz über Donaueschingen ins Rheintal, Ziel ist Karlsruhe. Bei Kandern wird der Zug militärisch zerschlagen. Genauso geht es den Zügen von Franz Sigel, Joseph Weißhaar und Georg Herwegh.
10. - 27. April Erste Sitzungsperiode der von Fürst Friedrich Wilhelm Constantin von Hohenzollern-Hechingen zugebilligten Deputiertenkammer unter dem Vorsitz von Pfarrer Joseph Blumenstetter in Hechingen mit Verabschiedung einer Verfassung.
18. Mai Eröffnung der deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche.
29. Juni Die Nationalversammlung wählt Erzherzog Johann von Österreich zum Reichsverweser. Er bildet eine provisorische Regierung.
17./18. September Die Linke ruft zum Kampf gegen konservative Positionen in der Nationalversammlung auf. In Frankfurt finden Barrikadenkämpfe statt, die von Bundestruppen beendet werden. Unter dem Eindruck dieser Ereignisse brechen im Südwesten mehrere Aufstände aus.
21. - 24. September Struve verkündet in Lörrach die „ Deutsche Republik" und organisiert einen Freischärlerzug, der in Staufen von badischem Militär zerschlagen wird (Zweite Badische Revolution). Die badische Aufstandsbewegung des Jahres 1848 ist damit beendet.
25. September Den badischen Vorgängen folgend, proklamiert der aus Gaildorf herbeigerufene Fabrikant Gottlieb Rau im württembergischen Rottweil die Republik und ruft zum Zug nach Stuttgart auf. Bürgerwehr und zahlreiche Sympathisanten ziehen am 25. September los, doch bereits in Balingen bricht der „ Zwetschgenfeldzug" zusammen. Rau wird am 28. September verhaftet, andere fliehen.
27. September Flucht der Regierung Hohenzollern-Sigmaringen und des Fürsten Karl Anton, der nach dem Rücktritt seines Vaters Karl erst seit 27. August im Amt ist, nach Volksversammlungen in Trillfingen und Sigmaringen. Am 10. Oktober Rückkehr der Regierung unter dem Schutz bayerischer Truppen.
28. Dezember Die Nationalversammlung in Frankfurt verkündet die „ Grundrechte des deutschen Volkes". Ihre Forderungen wirken bis in unser Grundgesetz nach.

1849

28. März Die Nationalversammlung verabschiedet eine Reichsverfassung und wählt den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zum Kaiser. Dieser lehnt einen Monat später ab, da seine Bedingung, die Zustimmung aller Bundesstaaten, nicht erfüllt wurde. Württemberg hatte nach einigem Zögern als einziges Königreich die Reichsverfassung angenommen. In der Folge zerbricht die Nationalversammlung unaufhaltsam, da viele Abgeordnete von ihren Staaten zurückberufen werden. Andere Abgeordnete scheiden resignierend aus.
Im Mai Breite Protestbewegung im deutschen Südwesten, um die Anwendung der Reichsverfassung durchzusetzen (Dritte Badische Revolution).
11./12. Mai Meuterei der Soldaten in Rastatt. Badische Soldaten solidarisieren sich mit den Demokraten.
13. Mai Das Leibregiment des Großherzogs Leopold meutert. Er flieht über Germersheim und Lauterburg nach Koblenz.
30. Mai Die verbliebenen Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung ziehen nach Stuttgart um. Am 18. Juni treiben württembergische Regierungstruppen dieses „ Rumpfparlament" auseinander.
1. Juni In Karlsruhe wird eine provisorische badische Regierung gebildet.
3. Juni Erste demokratische Wahlen in Baden. Alle Männer haben mit Vollendung des 21. Lebensjahres Wahlrecht.
10. Juni Eröffnung der verfassungsgebenden Versammlung von Baden in Karlsruhe unter Lorenz Brentano als Präsident der Regierung.
Im Juni Um die Aufstände in Südwestdeutschland zu beenden, marschieren die Preußen zuerst in der Pfalz ein. Erste Zusammenstöße mit den Preußen in Nordbaden, Kriegszustand in Baden.
21. Juni Schwere Gefechte bei Waghäusel. Die Revolutionsarmee wird zum Rückzug gezwungen.
25. Juni Prinz Wilhelm v. Preußen zieht mit seinen Truppen in Karlsruhe ein.
30. Juni Die Festung Rastatt, in die sich große Teile der revolutionären Truppen zurückgezogen haben, wird von den Preußen eingeschlossen. Am 23. Juli ergibt sich die Festung den Belagerern. Die Standgerichte verhängen 19 Todesurteile.
18. August Großherzog Leopold zieht wieder in Karlsruhe ein.


Damit ist die Revolution zu Ende. Die Inhalte und Forderungen wirken in der politischen Entwicklung nach und sind vielfach im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verwirklicht worden.