Landeskunde Baden-Württemberg

 

Georg Herwegh (1817-1875)

Georg Herwegh
Emma Siegmund

Georg Friedrich Rudolf Theodor Herwegh wurde am 31. Mai 1817 als Sohn eines Gastwirtes in Stuttgart geboren. Nach dem Gymnasium in Stuttgart besuchte Herwegh die Lateinschule in Balingen und das evangelische Seminar in Maulbronn. Seit 1835 gehörte er dem Tübinger Stift - der württembergischen „ Theologenschmiede" - an, musste dies jedoch bald „ wegen ungebührlichen Betragens" verlassen. Dies machte auch seine vorübergehende Befreiung vom Militärdienst hinfällig. Diesem entzog er sich 1838 durch Flucht in die Schweiz. Obwohl er vom württembergischen König begnadigt wurde, lebte er von 1841 bis 1851 im wesentlichen in Paris als Schriftsteller und Journalist.

1843 heiratete Herwegh die reiche und hochgebildete Berliner Kaufmannstochter Emma Siegmund (1817 - 1904), auf die Herwegh viele Jahre lang finanziell angewiesen war.

Im Zuge der besonders im deutschen Südwesten aufkommenden revolutionären Unruhen Ende der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts entstand im Februar des Jahres 1848 - nach dem Sturz des französischen Bürgerkönigs Louis Philippe - in Paris die „Deutsche Demokratische Gesellschaft“. Präsident dieser aus deutschen Emigranten (Arbeiter und Handwerker ohne soziale Sicherheit) bestehenden Vereinigung wurde Georg Herwegh.

Als in Baden unter der Führung der radikalen Abgeordneten Friedrich Hecker und Gustav Struve ein Volksaufstand gegen den Großherzog in Karlsruhe in die Wege geleitet wurde, erwuchs aus der „Deutschen Demokratischen Gesellschaft" die „ Deutsche Demokratische Legion" mit dem Ziel, die Revolution militärisch zu unterstützen. Die rund 700 Mann starke Legion, der neben den deutschen Emigranten auch Söldner aus einer Vielzahl europäischer Länder angehörten, stand unter der politischen Führung von Georg Herwegh. Die militärische Leitung der Truppe lag in den Händen von ehemaligen preußischen und österreichischen Offizieren. Als einzige Frau begleitete Emma Herwegh den Revolutionszug.

In zwanzig Tagen marschierte die Truppe von Paris nach Straßburg. Dort suchte die Führung mit Hilfe des weiblichen Kuriers Emma Herwegh den Kontakt mit den badischen Aufständischen. Hecker wollte zunächst keine „ Einmischung von außen". Doch am 24. April 1848 setzten die nun noch 650 Freiheitskämpfer rund 100 Kilometer südlich von Straßburg bei Kleinkems über den Rhein auf badisches Gebiet. Heckers Aufstand war inzwischen blutig niedergeschlagen worden. Auf ihrem Weg Richtung Schweiz wurde die Legion von württembergischem Militär gestellt. Herwegh flüchtete mit seiner Frau als Bauer verkleidet in die Schweiz. Auf ihn wurde ein hoher Preis ausgesetzt. Obwohl Herwegh einige Jahre später wieder in Deutschland leben durfte, wollte er in der Schweiz beigesetzt werden. Er starb am 7. April 1875 in Lichtental bei Baden-Baden. Im Schweizer Städtchen Liestal im Kanton Baselland, wo er das Bürgerrecht hatte (vgl. Liestal), wurden er und später auch seine Frau begraben. 1904 wurde ihm dort ein würdiges Denkmal gesetzt.