Landeskunde Baden-Württemberg

 

Josef Weißhaar (1814-1870)

Geboren am 4. März 1814 als Sohn des Ochsenwirts in Pfohren (vgl. Hecker- Zug), heiratete Weißhaar im Alter von 18 Jahren seine Cousine Wallburga und führte mit ihr das Wirtshaus „Engel" in Lottstetten. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor. Joseph Weißhaar war ein gutsituierter Mann. Dem Ehevertrag ist zu entnehmen, dass sich die gemeinsamen Liegenschaften auf einen Wert von 61 391 Gulden beliefen. Die Wirtschaft, direkt an der Straße von Schaffhausen nach Zürich gelegen, ging glänzend. Ständig standen 40 bis 50 Pferde bereit, und zudem war der „ Engel" als Güterbörse bekannt, an der in erster Linie Getreide und andere landwirtschaftliche Produkte gehandelt wurden.

Selbstverständlich war ein derartiger Ort, noch dazu nur einen Steinwurf von der Schweizer Grenze entfernt, ein idealer Umschlagplatz für geistige Informationen aller Art. Wahrscheinlich trug dieser Umstand - neben den persönlichen Eigenarten Weißhaars wie Lebhaftigkeit und Draufgängertum - dazu bei, dass der Engelwirt 1848/49 zu einer der führenden Persönlichkeiten der Aufständischen wurde. Anfang 1848 wählte ihn die etwa 50 Mann zählende Lottstettener Bürgerwehr zum Kommandanten. Auf der in der ersten Aprilhälfte abgehaltenen Volksversammlung in Dettighofen wurde die Teilnahme am geplanten Hecker-Zug beschlossen und Weißhaar zum Oberst der aufzustellenden Klettgau-Truppe bestimmt. Die militärische Ausbildung der Freischärler übernahmen ehemalige Soldaten mit Exerzierübungen auf Weißhaars Feldern. Neben der eher unzulänglichen Bewaffnung aus zumeist alten Gewehren, Pistolen, Hellebarden und Sensen wurde ihre Bekleidung zum Charakteristikum der Aufständischen: Blaue oder blau gestreifte Hemden, schwere Stiefel, breitkrempige Schlapphüte und dichte Bärte.

sNachdem Hecker mit seiner Mannschaft bereits am 13. April 1848 von Konstanz aus aufgebrochen war, folgte die sogenannte Hochrheinkolonne Weißhaars am 17. April 1848. Über den Klettgau zog die Truppe rheinabwärts und wandte sich erst ab Lörrach nach Norden. In Steinen stießen die Aufständischen erst auf die von der Scheideck her fliehenden Männer Heckers (vgl. Hecker-Zug) und wurden noch am selben Tag, dem 20. April 1848, selber geschlagen.

Nach der Niederwerfung des Ersten Badischen Aufstands musste Weißhaar zur Strafe eine Kaution leisten, konnte sich danach aber erstaunlich unbehelligt in Lottstetten aufhalten.

Im Mai 1849, beim Ausbruch der dritten Phase der badischen Revolution, wurde Weißhaar zunächst als Zivilkommissär für den Amtsbezirk Jestetten eingesetzt. Am 3. Juni 1849 wurde er in die Verfassungsgebende Landesversammlung Badens nach Karlsruhe gewählt. Hier gehörte er der Kommission zur Befreiung Joseph Ficklers aus württembergischer Haft an. Am 24. Juni 1850 wurde Weißhaar in Abwesenheit vom Großherzoglich-Badischen Hofgericht in Bruchsal wegen Hochverrats zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt und sein Vermögen zu großen Teilen zur Ableistung von Entschädigungszahlungen eingezogen. Ein Einspruch Weißhaars gegen das Urteil wurde vom Oberhofgericht Karlsruhe im Januar 1851 abschlägig beschieden.

Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1853 entschloss sich Weißhaar zur Verpachtung seiner Wirtschaft in Lottstetten. Er ging nach Zürich, betrieb dort vorübergehend einen Holzhandel und ließ sich später in St. Filden (Kanton St. Gallen) als Bierbrauer und Wirt des Gasthauses „Zum Hirsch" nieder. 1864 erwarb er, zusammen mit seinen drei Söhnen, das Bürgerrecht und wurde Kantonsbürger. Am 22. Mai 1870 verstarb Joseph Weißhaar in Zürich.
 

 

 

Wie schon der Weg des Weißhaar-Zuges im Jahr 1848 sind auch heute einige Wanderwege im Bereich der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz grenzüberschreitend. Dabei sind folgende Benutzungsbestimmungen zu beachten: 1. Fuß- und Radwanderern ist der Grenzübertritt bei Tage gestattet, visumpflichtige Personen sind ausgenommen. 2. Gültige Grenzübertrittspapiere sind mitzuführen. 3. Abgabenpflichtige sowie Ein- oder Ausfuhrbeschränkungen unterliegende Waren dürfen nicht mitgeführt werden.