Landeskunde Baden-Württemberg

 

Franz Sigel (1824-1902)

Franz Sigel wurde am 18. November 1824 in Sinsheim/Baden als Sohn eines großherzoglich-badischen Bezirksamtmannes geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Bruchsal absolvierte er die Kadettenschule in Karlsruhe. Während seiner Dienstzeit in Mannheim lernte er Hecker und Struve kennen. Da seine verstärkte Hinwendung zu republikanischen Ideen 1847 zum Bruch mit der Armee führte, begann er in Heidelberg ein Jurastudium. Im März 1848 veröffentlichte er einen Volksbewaffnungsplan und organisierte das erste
Freicorps in Mannheim, später ein weiteres im Seekreis. Sigel war einer der wenigen Revolutionäre mit militärischer Kommandoerfahrung, mit 24 Jahren im Rang eines Obersten. Er beurteilte das Unternehmen Heckers skeptisch, wollte aber nicht abseits stehen.


Nach dem Scheitern des Hecker-Zuges beteiligte er sich 1849 an den Revolutionskämpfen, nach der Niederlage ging er 1852 in die
USA und nahm auf Seiten der Nordstaaten am Sezessionskrieg (1861 - 1865) teil, am Schluss im Rang eines Generalmajors. Ab 1865
war er Journalist in New York, wo er am 21. August 1902 verstarb. Obwohl nicht immer erfolgreich, war Sigel zum Idol der deutschstämmigen
Soldaten in der Nordstaatenarmee geworden.

Der Sigel-Zug war zunächst ein Begleitunternehmen des Hecker-Zuges, welcher die größere Publizität genoss. Sigel sollte Hecker Freischärler zuführen und sich mit ihm und den anderen Kolonnen zusammenschließen. Zu dieser Vereinigung ist es jedoch nie gekommen.

Erst nach Heckers Niederlage bei Kandern entwickelte der Sigel-Zug seine eigene Dynamik. Mit immerhin 4 000 Mann stand
Sigel am 23. April 1848 in Horben vor den Toren Freiburgs, um sich mit den Freischärlern in der Stadt zusammenzuschließen. Die
Ereignisse des 23. und 24. April 1848 (s.u.) verhinderten dies und führten zum Scheitern des Aufstandes. 

Überblick über den Verlauf des Sigel-Zuges

15. April

Sigel hält in Konstanz eine Bürgerversammlung ab und verlässt gegen 16 Uhr mit ca. 250 Mann des 1. und 2. Aufgebots der Bürgerwehr die Stadt.

16. April

Die Kolonne gelangt über Radolfzell nach Singen, wird dort zwar begeistert empfangen, muss aber gegen 10 Uhr ohne Verstärkung weiterziehen. Erst einen Tag später kommt eine Gruppe von 32 Mann hinterher und erreicht Sigel auf dem Weg nach Riedheim.

17. April

Über Hilzingen und Fützen erreicht der Zug Stühlingen. Er ist inzwischen auf 1 200 Mann angewachsen. 84 Mann der dortigen Bürgerwehr schließen sich Sigel an.


18. April

Sigel zieht über Tiengen, wo er sich mit Weißhaars Schar (800 Mann) treffen soll, nach Waldshut.

19. April

Sigel erreicht mit 2 000 Mann St. Blasien. 1 200 Freischärler kommen in Quartieren unter, 800 biwakieren im heutigen Kurgarten.

20. April

Sigel verläßt St. Blasien und erreicht am selben Tag Todtnau. Auf die Nachricht von Heckers Niederlage zieht er nach Schopfheim, wo er auf Versprengte von Heckers Kolonne trifft. Die Stimmung in Schopfheim ist unfreundlich, Sigel wendet sich vor anrückenden Bundestruppen wieder nach Norden.

22. April

Sigel erreicht Schönau und erneut Todtnau. Mittlerweile ist seine Truppe auf 3 000 Mann angewachsen. Von Todtnau aus wendet sich Sigel nach Freiburg, das ursprünglich gemeinsames Ziel Heckers und der anderen Kolonnen gewesen war.

23. April

Freiburg ist bereits von Bundestruppen belagert. Sigel befindet sich mit ca. 4 000 Mann auf dem Gießhübel oberhalb von Horben. Am Nachmittag des Ostersonntags kommt es zum Zusammenstoß und blutigem Gefecht bei Günterstal. Die Aufständischen haben den gut bewaffneten und ausgebildeten Bundestruppen wenig entgegenzusetzen.

24. April

Endgültiges Scheitern des Zuges beim Versuch, mit verbliebenen 400 Mann durch das Schwabentor ins Stadtinnere Freiburgs zu gelangen. Der Zug löst sich auf.
 

 

Die Revolution in Gemeinden abseits der Revolutionszüge

 

Nicht nur in den in dieser Broschüre erwähnten Städten und Gemeinden machte sich die Revolution 1848/49 bemerkbar. Nach den Ereignissen in Frankreich erhitzten sich die Gemüter im Frühjahr 1848 auch andernorts, Nachrichten verbreiteten sich in Windeseile.

Als ein Beispiel sei das 1848 zum badischen Bezirksamt Meersburg gehörende Markdorf angeführt. Dort hielten am 17. und 18. März 1848 der Klufterner Pfarrer Johann Baptist Uhlmann und der liberale Konstanzer Kaufmann Zogelmann öffentliche Reden, um die Ideen der Revolution zu verbreiten. Die Reaktion in Markdorf und den umliegenden Gemeinden war eher zurückhaltend. Dem Aufruf, am Hecker-Zug teilzunehmen, folgten im April 1848 lediglich zehn Markdorfer, die jedoch mitsamt den Teilnehmern aus Hagnau von Pfarrer Uhlmann wieder zurückgeholt wurden, bevor sie den Sammelpunkt Stockach erreichten. Die Nachricht von der Niederlage Heckers und Struves hatte sich bereits verbreitet.

Erst in der zweiten Hälfte des Jahres 1848 fand in Markdorf ein Stimmungsumschwung statt. Seit dem Sommer exerzierte regelmäßig eine Kompagnie Freischärler von 200 Mann aus Markdorf und Umgebung. Versammlungen fanden statt, ein Volksverein entstand. Bei einer großen Volksversammlung am 4. Juni 1849 verlas der Schriftführer des Volksvereins Johann Baptist Rist vom Balkon des Gasthauses „ Adler" (bis heute erhalten) einen aufrührerischen Zeitungsartikel. In den Wochen darauf wurden in Zürich Musketen und Gewehre beschafft. Anfang Juli stellte sich die Markdorfer Kompagnie auf Kampf ein und zog nach Überlingen. Dort erfuhren die Männer von der Niederlage des badischen Heeres, sie kehrten in ihre Heimat zurück und die meisten flohen über den Bodensee in die Schweiz. Am 11. Juli besetzten bayerische Truppen die Stadt, die nachrevolutionäre Gerichtsbarkeit griff hart durch, und das öffentliche Leben war für Jahre gestört.

Ähnlich wird von Todtmoos berichtet, wie bei einer Bürgerversammlung Gewehre und Waffen gefordert wurden, um auf alles gefasst zu sein. Beim Gefecht in Kandern war eine Wehrmannschaft von 104 Todtmoosern dabei, die schon lange vorher militärisch geschult worden war.

Auf der sogenannten Schusterinsel (heute nicht mehr vorhanden) bei Weil am Rhein versammelten sich nach dem Aufruf Heckers am Gründonnerstag, dem 20. April 1848, einige Hundert Handwerksgesellen, darunter auch Schweizer und Revolutionäre aus Frankreich. Sie wollten sich mit Herweghs Truppe zusammentun und hielten Versammlungen ab. Am 25. April besetzten sie die Insel und erklärten die deutsche Republik.

Für die fünf in Staufen unschuldig hingerichteten Musikanten (vgl. Struve-Zug) wurde 1927 auf dem Friedhof in Weil ein Obelisk aus Granit errichtet.