Der Ländliche Raum als "Restmenge"?
Der Ländliche Raum in Baden-Württemberg umfasst rund 66 Prozent der Fläche und knapp dreißig Prozent der Bevölkerung. Allerdings gibt es keinen einheitlichen Ländlichen Raum: Zu groß sind die Unterschiede zwischen Mittelstädten und kleinen Gemeinden, dynamisch wachsenden Regionen im Hinterland des Bodensees und stagnierenden Gebieten in einigen Regionen Nordostwürttembergs.
Die Landesentwicklungsplanung trägt dem Rechnung, indem sie für das Land Baden-Württemberg eine Gebietskategorie eingeführt hat, welche die Bundesraumordnung nicht kennt: Verdichtungsbereiche im Ländlichen Raum. Diese bilden Siedlungs-, Bildungs- und Versorgungsschwerpunkte im Ländlichen Raum und füllen, räumlich gesehen, die "Lücken" zwischen den Verdichtungsräumen.
Wir finden sie daher vor allem in Nordost- und Ostwürttemberg (Schwäbisch Hall/Crailsheim, Aalen/Heidenheim/Ellwangen), zwischen Alb und Schwarzwald (Schwarzwald/Baar/Heuberg, Albstadt/Balingen/Hechingen) und am mittleren Oberrhein (Offenburg/Lahr/Kehl).
Steigende Attraktivität ländlicher Regionen
Dem Ländlichen Raum im engeren Sinne stellt die Landesregierung im Landesentwicklungsplan 2002 wie schon in dem von 1983 eine recht positive Entwicklung in Rechnung: "Die traditionelle strukturräumliche Polarität zwischen Stadt und Land löst sich immer mehr auf und das einstmals markante Gefälle zwischen ‚wachstumsdynamischen Verdichtungsräumen’ und ‚entwicklungsschwachem Ländlichem Raum’ flacht weiter ab."
Dies ist, bezogen auf die Regionen und Kreise, sicherlich richtig. Suburbanisierungstendenzen der Verdichtungsräume greifen inzwischen weit ins Umland, die Verkehrsverbindungen haben sich deutlich verbessert und machen auch periphere Regionen z. B. in Nordost- und Ostwürttemberg gut erreichbar. Hohe Miet- und Grundstückspreise in den Verdichtungskernen treiben gerade junge Familien in bezahlbare Regionen mit intakter Umwelt und oft gut ausgebautem Schulwesen. Zu Recht wurde aber darauf hingewiesen, dass sich auf der Ebene der einzelnen Kommunen die Situation anders darstellen kann.
Das Maß der Fremdbestimmtheit des Ländlichen Raumes ist nach wie vor groß. Gemeinden, die keinen einträglichen Fremdenverkehr anlocken können, haben wenig wirtschaftliche Alternativen. In konjunkturellen Krisenzeiten verlieren die Kommunen im Ländlichen Raum den Kampf um Arbeitsplätze gegen verkehrstechnisch besser angebundene Städte, falls sie nicht von speziellen herausragenden Standortbedingungen begünstigt sind.
