Fremdenverkehrsgebiete
Gewissermaßen das Pendant zu den Industrieräumen bilden die Fremdenverkehrsregionen des Landes. Rein quantitativ ist Baden-Württemberg nach Bayern das wichtigste Fremdenverkehrsland Deutschlands. Jährlich besuchen rund 13 Millionen Gäste das Land, der Löwenanteil stammt aus Deutschland, rund ein Drittel aus Baden-Württemberg selbst. Fast sechzig Prozent der Übernachtungen entfallen auf sogenannte "prädikarisierte" Gemeinden, d. h. Orte mit Mineral- und Moorbädern, heilklimatische Kurorte, Kneipp- und Luftkurorte.
Schwarzwald
Das größte Erholungsgebiet und zugleich das beliebteste Urlaubsziel unter allen deutschen Mittelgebirgen ist der Schwarzwald. Mehr als die Hälfte aller Übernachtungen und knapp 44 Prozent der Fremdenmeldungen in Baden-Württemberg entfallen auf ihn. In den 1960er- und 70er-Jahren erlebte der Schwarzwaldtourismus gegenüber anderen Erholungsräumen in Süddeutschland ein überdurchschnittliches Wachstum, heute allerdings leidet er unter eine Reihe von Problemen.
Imageproblem
An erster Stelle steht hier die zunehmende Überalterung der Urlauber. Unter den Haupturlaubsreisenden in den Schwarzwald ist rund ein Drittel älter als sechzig Jahre, 57 Prozent sind älter als fünfzig Jahre. Hieraus resultiert das Fehlen von attraktiven "Fun"- und Sportangeboten für jüngere Reisende. Zu den Infrastrukturproblemen gesellen sich auch Imageprobleme, d. h. für den Schwarzwald wird bei Reiseveranstaltern, in Reisebüros usw. wenig geworben. Nicht verkannt werden darf auch das Preisproblem: Eine Woche Schwarzwald im Hotel kommt teurer als eine Woche Tunesien am Strand.
Bodenseeregion
An zweiter Stelle unter den Ferienlandschaften Baden-Württembergs steht der Bodensee mit Oberschwaben. Auf diesen Erholungsraum entfallen zusammen etwa 14 Prozent aller Fremdenübernachtungen, wobei die Erholungszone am Bodensee in ihrer Ausdehnung naturgemäß relativ eng begrenzt ist und sich fast ausschließlich auf den unmittelbaren Uferbereich konzentriert. Folglich kommt es am Bodenseeufer immer wieder zu Nutzungskonflikten und innerhalb des Freizeitverkehrs zur problematischen Überlagerung von Urlaubs-, Wochenend- und Tagesausflugsverkehr. In jüngerer Zeit hat aber auch das Hinterland mit seinen vielen barocken Kirchen, Klöstern und Schlössern an Boden gewonnen.
Heil- und Thermalbäder
Hinzu kommen die Seen und Moore für den Wochenenderholungsverkehr sowie die vier oberschwäbischen Heilbäder Bad Buchau, Bad Schussenried, Bad Waldsee und Bad Wurzach. Seit den 80er-Jahren ist zudem auf der Basis neu erbohrter Thermalquellen eine Reihe von Bädern entstanden. Als erstes Thermalbad in Oberschwaben wurde 1984 Saulgau eröffnet, inzwischen bestehen auch in Aulendorf und Biberach Thermen. Andere Kurorte und Heilbäder sind an die tektonische Schwächezone des Oberrheingrabens gebunden. Den alten, schon römerzeitlich bekannten Heilbädern wie Badenweiler oder Baden-Baden stehen jüngere Erschließungen wie Bad Krozingen oder das erst in der Nachkriegszeit entwickelte Bad Bellingen gegenüber.
Die Schwäbische Alb
Das Erholungspotenzial der Schwäbischen Alb wurde bisher noch kaum in Wert gesetzt. Ihr Anteil von nur etwas mehr als acht Prozent an den Übernachtungen des Landes ist bescheiden. Das Schwergewicht liegt hier eindeutig auf der Nah- und Wochenenderholung für Bewohner aus dem Land selbst, bevorzugt aus dem Mittleren Neckarraum. Daneben haben sich hier als Sonderform einige Feriendörfer für kinderreiche Familien wie Erpfingen oder Tieringen entwickelt. Neue Golfplätze fehlen ebenfalls nicht. Übernachtungszahlen und Form der Erholung in den Keuperwaldbergen sind denen auf der Schwäbischen Alb vergleichbar. Auch hier handelt es sich um Erholungsgebiete, die ganz auf Wandern, Hobby und Familie eingestellt sind.
Tourismus in den Städten
Neben Urlaubsfremdenverkehr und Naherholungsverkehr nimmt in Baden-Württemberg vor allem der Städtetourismus sehr rasch zu. Zu den beruflich dominierten Formen gehören Geschäfts- und Dienstreiseverkehr, Kongress- und Tagungsverkehr sowie Messe- und Ausstellungsverkehr, während zu den privat motivierten Formen neben dem Veranstaltungsreiseverkehr – tagsüber und abends – vor allem der Besichtigungsreiseverkehr zu rechnen ist.
Beim Geschäftsreisetourismus dominiert natürlich die Landeshauptstadt Stuttgart, während sich Besichtigungen auf einige touristische Highlights konzentrieren, unter ihnen den einzigen baden-württembergische Vertreter der "Magic Ten" der "Historic Highlights of Germany", Heidelberg, mit rund einer dreiviertel Million Übernachtungen pro Jahr.
