Landeskunde Baden-Württemberg

 

Biographien

Saul Friedländer: Wohin die Erinnerung führt. Mein Leben. Verlag C.H. Beck, München 2016. 329 Seiten, ISBN 978-3-406-69770-8. EUR 26,95.

Saul Friedländer ist noch ein halbes Kind, als der Zweite Weltkrieg zu Ende geht. Sanft und in einer wunderschönen Sprache erzählt der große Historiker des Holocaust von seinem Leben danach, das reich ist an Erfahrungen und Begegnungen, aber das Leben eines Entwurzelten bleibt. „Wohin die Erinnerung führt“ ist das großartige Zeugnis einer Epoche und gewährt zugleich ungewöhnlich offen Einblick in die fragilen Gefühlswelten eines Überlebenden. Den blutjungen Saul Friedländer drängt es nach Israel, wo er als glühender Zionist für die Gründung eines jüdischen Staates kämpfen will. Der Fünfzehnjährige fälscht das Geburtsdatum in seinem Pass und schifft sich auf der „Altalena“ ein. In kurzer Zeit lernt er hebräisch und die jüdische Kultur kennen, doch schon bald zieht es ihn wieder zurück nach Paris. Er studiert und erkennt immer deutlicher, wohin die Suche nach der eigenen Identität ihn führen wird – in die Erinnerung an jenes Ereignis, dem sechs Millionen Juden, darunter auch seine Eltern, zum Opfer gefallen sind. Elegant und mit scheinbar leichter Feder erweckt Saul Friedländer in seinen Memoiren Menschen und Milieus zum Leben, schildert die politischen und intellektuellen Kontroversen seiner Zeit und lässt den Schmerz fühlbar werden, in den dieses ganze Leben unentrinnbar eingetaucht ist.

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Erhard Eppler: Links leben. Erinnerungen eines Wertkonservativen. Propyläen Verlag, Berlin 2015. 336 Seiten. ISBN-13 9783549074657. 22.- EUR

Fast ein Jahrhundert Zeitgeschichte hat er miterlebt, gemeinsam mit Altbundeskanzler Helmut Schmidt oder dem Brandt-Vertrauten Egon Bahr prägte Erhard Eppler das Gesicht der SPD. Er war maßgeblicher Wegbereiter ökologischen Denkens, als führender Kopf der Grundwertekommission seiner Partei formte er deren politisches Profil. Der Gegenspieler Schmidts gehörte zu den Gegnern des NATO-Doppelbeschlusses. Als unbequemer Querdenker und Ikone der Friedensbewegung greift er bis heute in aktuelle Debatten ein. Fast neunzigjährig bilanziert Eppler sein leidenschaftliches Leben als Politiker: ein bewegender Streifzug durch die politische Landschaft der Bundesrepublik und durch das 20. Jahrhundert. Es ist das sehr persönliche Buch eines politischen Vordenkers, das fast ein Jahrhundert deutscher Zeitgeschichte erzählt und einen ungeschminkten Blick hinter die Kulissen bundesrepublikanischer Macht wirft.

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Willy Brandt/Helmut Schmidt: Partner und Rivalen. Der Briefwechsel (1958–1992), hrsg. und eingel. von Meik Woyke. Willy-Brandt-Dokumente, Band 3. Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn 2015. 1.104 Seiten, ISBN 978-3-8012-0445-7. EUR 39,90.

Das Verhältnis von Brandt und Schmidt gilt als kompliziert und schwierig, weil ihre Sozialisation, ihr Politikstil und Politikverständnis sich deutlich unterschieden. Dennoch verband die beiden führenden Sozialdemokraten neben ihrer Rivalität eine jahrzehntelange Partnerschaft, deren Höhen und Tiefen sich in ihrem Briefwechsel facettenreich widerspiegeln. Die sorgfältig annotierte Edition erschließt die gesamte Korrespondenz zwischen Brandt und Schmidt. Sie umfasst mehr als 700 Briefe der Jahre 1958 bis 1992 und bietet neue Einblicke in die persönliche Beziehung der beiden Staatsmänner. Waren sie zunächst enge Weggefährten bei ihrem Aufstieg zu sozialdemokratischen Spitzenpolitikern, vertraten sie während der Großen Koalition und später als Bundeskanzler in der sozial-liberalen Ära nicht selten unterschiedliche Positionen. Trotz aller Rivalitäten arbeiteten Brandt und Schmidt jedoch immer wieder vertrauensvoll zusammen. Ihre politischen Differenzen und Kontroversen über die eigene Partei und deren Regierungspolitik, über die Nachrüstungsfrage sowie den Umgang mit der Ökologie- und Friedensbewegung machen den besonderen Reiz der Briefe aus.

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Peter Longerich: Hitler. Biographie. Siedler-Verlag, München 2015. 1296 Seiten. ISBN: 978-3-8275-0060-1. EUR 39,99.

Tyrann, Psychopath, Vollstrecker eines rassenideologischen „Programms“ – oder gar charismatischer „Führer“, dem seine Anhänger „entgegengearbeitet“ haben? Peter Longerich geht in seiner neuen Biographie über die bisherigen Hitler-Deutungen hinaus: Er entwirft das Bild eines Diktators, der weit mehr und viel aktiver als bisher angenommen in die unterschiedlichsten Politikbereiche persönlich eingriff. Und dabei nicht selten überraschend flexibel handelte.

Ob Außenpolitik und Kriegführung, Terror und Massenmord, Kirchenpolitik, Kulturfragen oder Alltagsleben der Deutschen – überall bestimmte Hitler, bis in Details hinein, die Politik des Regimes. Durch seine persönlichen Entscheidungen prägte er es auf eine Weise, die bislang unterschätzt wird. Konsequent zerschlug er Machtstrukturen, die ihn behinderten, und schuf stattdessen eine Führerdiktatur – in seiner schließlich fast grenzenlosen Macht war er auf die Zustimmung der Bevölkerung nicht mehr angewiesen. Diese Biographie rückt die Person Hitler und ihr Handeln in das Zentrum der Geschichte des Nationalsozialismus: Denn erst das Zusammenspiel der Kräfte, die Hitler bewegten, mit jenen, die er selbst in Bewegung setzte, lässt uns erkennen, was das „Dritte Reich“ im Innersten zusammenhielt.

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Hans von Dohnanyi: „Mir hat Gott keinen Panzer ums Herz gegeben.“ Briefe aus Militärgefängnis und Gestapohaft 1943–1945. Deutsche Verlag-Anstalt, München 2015. ISBN: 978-3421047113. EUR 24,99.

Erstmals werden die berührenden Briefe und eindringlichen Kassiber veröffentlicht, die Hans von Dohnanyi, eine der führenden Persönlichkeiten des Widerstandes gegen das NS-Regime, aus der Haft an seine Frau Christine und an seine Kinder schrieb. Sie zeigen sowohl den liebevollen Ehemann und Vater wie den entschlossenen Verschwörer gegen Hitler, der sich auch in der Haft, den Tod vor Augen, nicht beugt.

Der Jurist Dohnanyi schloss sich bereits Ende der dreißiger Jahre Widerstandskreisen an. 1942 verhalf er einer Reihe von Juden, die als Agenten getarnt wurden, zur Flucht in die Schweiz, im März 1943 war er an einem Attentatsversuch gegen Hitler beteiligt, der jedoch fehlschlug. Im April 1943 wurde er wegen angeblicher Devisenvergehen im Zusammenhang mit der Fluchthilfe inhaftiert. Nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 flog seine Mitarbeit an den früheren Putschplänen auf. Am 9. April 1945 wurde er im KZ Sachsenhausen gehängt.

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Gregor Schöllgen: Gerhard Schröder. Die Biographie. Deutsche Verlag-Anstalt, München 2015. 1040 Seiten. ISBN: 978-3-421-04653-6. EUR 34,99.

Gerhard Schröder polarisiert. Ganz gleich ob er als Juso-Vorsitzender die eigene Truppe aufmischt, als junger Bundestagsabgeordneter den politischen Gegner in Wallung bringt, als Rechtsanwalt Außenseiter verteidigt oder als Ministerpräsident den Alleingang zur Perfektion entwickelt – der vorwärtstürmende Aufsteiger aus randständigem Milieu hat immer provoziert. Als Bundeskanzler und SPD-Vorsitzender verweigert er den USA die Gefolgschaft im Irakkrieg, mit seiner Agenda-2010-Reformpolitik riskiert er die Kanzlerschaft, und auch als umtriebiger Wirtschaftsberater und Putin-Freund trotzt er aller Kritik. Der „vielfach bewährte Biograph Gregor Schöllgen“ (FAZ) hatte uneingeschränkten Zugang zu sämtlichen Papieren Gerhard Schröders und sprach mit vielen Weggefährten – Freunden und Verwandten, Gegnern und Rivalen, Förderern und Neidern, Opfern und Bezwingern –, die sich ungewohnt offen äußerten. Schöllgen gelingt so die erste große und Maßstab setzende Biographie dieser ungewöhnlichen Politikerpersönlichkeit.

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Peter Siebenmorgen: Franz Josef Strauß. Ein Leben im Übermaß. Siedler Verlag, München 2015. 768 Seiten. ISBN: 978-3-8275-0080-9. EUR 29,99.

Er war viermal Minister, fühlte sich zum Kanzler berufen, aber das mächtigste Amt blieb ihm versperrt. Und doch: Ohne Franz Josef Strauß wäre die Geschichte der Bundesrepublik eine andere. Seine Karriere war stürmisch wie sein Wesen – auf einen raketenhaften Aufstieg folgte der jähe Absturz. Er war Star der Großen Koalition, Einpeitscher der Opposition, verlor gegen Helmut Schmidt und endete als trauriger König in Bayern.

Für seine Biographie, die auf jahrelangen, umfangreichen Recherchen basiert, hatte Peter Siebenmorgen uneingeschränkten Zugang zum Strauß-Nachlass und zu vielen weiteren exklusiven Quellen. Er zeichnet darin ein ebenso überraschendes wie leidenschaftliches Bild des bayerischen Machtmenschen, jenseits von vielen Klischees. Ob es um Strauß‘ Zeit als Offizier der Wehrmacht geht, seine nuklearen Ambitionen, seine Rolle in der Spiegel-Affäre, seinen Dauerkrieg mit Helmut Kohl, seine politischen Ziele und Methoden, seine Rolle als Vater und Ehemann oder sein persönliches Verhältnis zum Geld: Der Autor enthüllt viele neue, brisante Details aus dem Leben des Ausnahmepolitikers. Anhand vieler bislang unbekannter Dokumente schildert er ein Leben und eine Karriere, die jedes Maß sprengten.

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Udo Wengst: Theodor Eschenburg. Biographie einer politischen Leitfigur 1904–1999. De Gruyter Verlag, Berlin 2015. 280 Seiten, ISBN 978-3-11-040303-9. EUR 34,95.

Theodor Eschenburg zählt zu den herausragenden Gründergestalten der Politikwissenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Durch intensive Vortragstätigkeit und regelmäßige Veröffentlichungen in der Presse wirkte er weit über seine Alma Mater hinaus. Er machte sich als „Hüter der Institutionen“ und „Lehrer der Demokratie“ einen Namen. Seit 2011 steht das Wirken Eschenburgs jedoch in der Kritik. Ausgangspunkt war sein Verhalten im „Dritten Reich“. Seine kurzzeitige Mitgliedschaft in der SS wurde ebenso wie seine Tätigkeit als Geschäftsführer von Kartellverbänden thematisiert. Außerdem warf man ihm vor, dass er es nach 1945 unterlassen habe, sich mit seiner Vergangenheit im Dritten Reich auseinanderzusetzen. Schließlich zog man auch sein Demokratieverständnis vor 1933 und nach 1945 in Zweifel.

Udo Wengsts Biografie möchte zur Versachlichung der Kontroverse beitragen, indem sie in knapper Form das Leben Eschenburgs nachzeichnet: die politische Orientierungsphase in der Weimarer Republik, das Leben im „Dritten Reich“, die Tätigkeit in der Landesregierung von Württemberg-Hohenzollern und schließlich das Wirken als Professor und Publizist in der Bundesrepublik. Das traditionelle Eschenburg-Bild wird dabei nicht umgestoßen, es wird aber durch zahlreiche neue aufregende Facetten ergänzt.

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Ines Mayer und Reinhold Weber (Hrsg.): Menschen, die uns bewegten. 20 deutsche Biografien im 20. Jahrhundert. Emons Verlag, Köln 2014. 192 Seiten, ISBN 978-3-95451-412-0. EUR 24,95.

Das 20. Jahrhundert war das Zeitalter der Extreme. Führende Köpfe in diesen politischen Auseinandersetzungen kamen aus Baden-Württemberg: Clara Zetkin und Sophie Scholl, Graf von Stauffenberg im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, ebenso führende Politiker der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte wie Kurt Schumacher, Theodor Heuss oder Kurt Georg Kiesinger. Und Manfred Rommel – der streitbare, langjährige Oberbürgermeister von Stuttgart. Die Autoren dieses außergewöhnlichen Sachbildbandes beschäftigen sich seit vielen Jahren mit „ihren“ Protagonisten und legen ein wunderschön illustriertes Buch vor: Von einem einschneidenden Erlebnis der Porträtierten ausgehend bildet es in spannend geschriebenen Texten eindrücklich diese Phase bundesdeutscher und baden-württembergischer Zeitgeschichte ab.

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Bengt von zur Mühlen (Hrsg.): Der vergessene Verschwörer. General Fritz Lindemann und der 20. Juli 1944. Bucher Verlag, München 2014. 224 S., ca. 40 Abb. ISBN: 978-3-7658-1851-6. EUR 19,99.

Mit diesem Werk wird der Literatur rund um den Widerstand gegen Hitler eine bislang wenig beachtete Geschichte hinzugefügt. Als General der Artillerie nahm Fritz Lindemann aktiv an den Vorbereitungen des Hitler-Attentats am 20. Juli 1944 teil. Das Buch würdigt neben dem General auch den Mut, die Opferbereitschaft und das Schicksal jener Menschen, die ihm auf seiner Flucht beistanden, dafür ihr Leben aufs Spiel setzten und dieses verloren.

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Eckhard Jesse/Sebastian Liebold (Hrsg.): Deutsche Politikwissenschaftler – Werk und Wirkung. Von Abendroth bis Zellentin. Nomos Verlag, Baden-Baden 2014. 849 S. ISBN 978-3-8329-7647-7. EUR 98,00

Demokratie, Pluralismus, Integration – Thesen der Politikwissenschaft prägen die Kultur der Bundesrepublik Deutschland. Dahinter stehen Namen wie Karl Dietrich Bracher, Ernst Fraenkel oder Helga Haftendorn. Dieser Band bietet eine vergleichende Würdigung von Werk und akademischer wie öffentlicher Wirkung von 50 wichtigen deutschen Politologen. Er versteht sich als Nachschlagewerk, Studienbuch und Essayband mit fundierten und kritischen Beiträgen von 50 ausgewiesenen Politologen über ihre Fachkollegen. In den alphabetisch geordneten Beiträgen werden diese Fragen behandelt: Mit welchen Ideen und Erkenntnissen sind deutsche Politikwissenschaftler bekannt geworden? Welche Stationen prägten ihre Karriere? Konnten die Wissenschaftler eine eigene akademische „Schule“ begründen? Haben ihre Hauptwerke eine kontinuierliche Rezeption erfahren?

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Theodor Heuss. Privatier und Elder Statesman. Briefe 1959–1963, hrsg. und bearb. von Frieder Günther. De Gruyter Verlag, Berlin 2014. 621 S., ISBN 978-3-11-029843-7. EUR 39,95.

Als sich Theodor Heuss nach dem Ende seiner Amtszeit als Bundespräsident im September 1959 in sein „Häusle“ auf dem Stuttgarter Killesberg zurückzog, verband er mit diesem Schritt die Hoffnung, ein Stück weit aus dem Blick der Öffentlichkeit zu treten und sich endlich wieder stärker eigenen Interessen zu widmen. Doch rasch zeigte sich, dass sich dies kaum verwirklichen ließ. Er wurde überhäuft mit Bitten aus der Bevölkerung; außerdem wandten sich zahlreiche namhafte Personen und Institutionen an ihn, um ihn um Unterstützung und Rat zu bitten. Heuss blieb in den letzten vier Jahren seines Lebens eine Person des öffentlichen Interesses, dessen geschriebenes und gesprochenes Wort im In- und Ausland weite Beachtung fand. Mit diesem Band, dessen ausgewählte 200 Briefe einen einzigarteigne Einblick in das Laben des Altbundespräsidenten geben, schließt die Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus die Brief-Edition der „Stuttgarter Ausgabe“ ab.

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Hans-Peter Schwarz: Helmut Kohl. Eine politische Biographie. Pantheon Verlag, München 2014. 1056 Seiten mit Abb., ISBN 978-3-570-55234-6. EUR 19,99

Helmut Kohl beschäftigt die Deutschen noch immer. Er ist eine der bedeutendsten lebenden historischen Figur der Bundesrepublik, die zugleich die stärksten Emotionen hervorruft. Für die einen bleibt er der Kanzler der Einheit, die anderen sehen in ihm den Machtmensch, dessen Name mit der größten deutschen Spendenaffäre verknüpft ist. Wer die Geschichte Deutschlands und Europas seit dem Zweiten Weltkrieg verstehen will, kommt an der Betrachtung dieses Lebens und an dieser Biographie nicht vorbei, die nun als Taschenbuch vorliegt.

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Frauke Geyken: Wir standen nicht abseits. Frauen im Widerstand gegen Hitler. Verlag C.H. Beck, München 2014. 352 Seiten mit Abb., ISBN 978-3-406-65902-7. EUR 24,95.

Immer wieder ist von den „Männern des Widerstands“ die Rede, aber was ist mit den Frauen? Dass neben Sophie Scholl auch viele andere mutige Widerständlerinnen gegen das Hitler-Regime gekämpft haben, ist kaum bekannt. Frauke Geyken erzählt einfühlsam, wie sie in den Widerstand kamen, was sie antrieb, ob und wie sie entdeckt wurden – und warum man sie nach 1945 so lange vergessen hat. Eine mitreißende Hommage an den Kampf von Frauen für Freiheit und Gerechtigkeit. Frauke Geyken versteht es meisterhaft, die unterschiedlichen Lebensgeschichten dieser Frauen miteinander zu verflechten. Sie schildert, wo sich die Wege kreuzten, welche Rolle die Ehemänner spielten und wie die Frauen mit Erniedrigungen, Verurteilungen und Anfeindungen selbst noch in der Nachkriegszeit umgegangen sind. Zur Sprache kommen auch Frauen wie Inge Aicher-Scholl und Marie Louise von Scheliha, deren Leben nach 1945 von dem erstaunlich mühsamen Kampf um Anerkennung des Widerstands bestimmt war.

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Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta. Verleger – Entrepreneur – Politiker. Wallstein Verlag, Göttingen 2014. 984 Seiten, mit Abb. ISBN 978-3-8353-1396-5. EUR 49,90

Zum 250. Geburtstag von Johann Friedrich Cotta am 27. April 2014: Die erste umfassende Biographie Cottas, des wichtigsten deutschen Verlegers der deutschen Klassik, und zugleich die Geschichte seines Verlages. Cottas Biographie wird hier zum ersten Mal umfassend aus den Quellen erzählt. Sie zeigt mit großem psychologischen Einfühlungsvermögen den Verleger, Unternehmer und Politiker als exemplarische Gestalt in einer Umbruchszeit, in der so gut wie alle Institutionen und Traditionen ins Wanken kamen und auf allen Gebieten Neuland betreten wurde. Cotta war ein Pionier der öffentlichen Meinung, der deutschen „Nationalliteratur“ wie der wissenschaftlichen und industriellen Revolution. Gleichzeitig wird aber auch ein kritischer Blick auf Cottas komplizierten, von Eitelkeit und mancher inneren Unsicherheit geprägten Charakter geworfen.

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