Landeskunde Baden-Württemberg

 

Allgemeine Landesgeschichte

Thomas Borgmann: Die Villa Reitzenstein. Macht und Mythos. Silberburg-Verlag, Tübingen 2016. 304 Seiten, ISBN 978-3-8425-1446-1. EUR 24,90.

In der Villa Reitzenstein in Stuttgart, dem jüngst tiefgreifend sanierten Amtssitz des baden-württembergischen Ministerpräsidenten, wird seit 1925 Politik gemacht – und Geschichte geschrieben. Der Stuttgarter Journalist Thomas Borgmann schildert diesen Ort von seinen Anfängen bis heute, beschreibt die erstaunliche Geschichte der steinreichen Bauherrin Helene von Reitzenstein und lässt die führenden politischen Köpfe Revue passieren, denen “das Schloss auf der Gänsheide“ als Machtzentrum diente: von der Weimarer Zeit über das „Dritte Reich“ und die Anfänge des Südweststaats bis zur Gegenwart. Spannend, faktenreich und üppig bebildert.

Nach oben

Rainer Hennl/Konrad Krimm (Hrsg.): Industrialisierung im Nordschwarzwald. Oberrheinische Studien Bd. 34. Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2016. 302 Seiten. ISBN: 978-3-7995-7835-6. EUR 34,00.

Die Diskussion um den Nationalpark im Nordschwarzwald hat den Blick geschärft für gewandelte Formen der Forstwirtschaft, für das Verhältnis von Holzindustrie und Landschaftspflege, für anthropogene Veränderungen im Ökosystem, für Tourismus und Naturschutz. Alle diese Komponenten greifen ineinander, alle gehören zu den Grundproblemen einer Volkswirtschaft – und alle reichen weit zurück. Und somit bezieht sich der Band auf historische Aspekte aktueller Auseinandersetzungen und Probleme.

Nach oben

Klaus Jürgen Matz: Kleine Geschichte des Landes Baden-Württemberg. DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen 2010. 218 Seiten. 19,90 EUR. ISBN: 978-3-87181-735-9.

Mit durchweg großer Souveränität stellt der Mannheimer Historiker Klaus-Jürgen Matz auf nur etwas mehr als 200 Seiten die Geschichte Baden-Württembergs dar. Er führt damit die Reihe „Kleine Geschichte“ des DRW-Verlags (Leinfelden-Echterdingen) bzw. des Verlags G. Braun (Karlsruhe) fort und vollendet die Gesamtschau der Geschichte der großen Territorien im deutschen Südwesten seit den Napoleonischen Umwälzungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, einsetzend mit dem Großherzogtum Baden (Frank Engehausen, 2005) und dem Königreich Württemberg (Bernhard Mann, 2006) und fortgeführt durch eine vergleichende Zusammenschau der beiden Länder Baden und Württemberg in den Weimarer Jahren und im „Dritten Reich“ (Reinhold Weber), 2008. Der Band von Klaus-Jürgen Matz kommt genau richtig zum 60. Geburtstag des Landes und er wird dem im Untertitel der Reihe formulierten Anspruch vollauf gerecht, nämlich „fundiert und kompakt“ Regionalgeschichte für ein breites Lesepublikum aufzuarbeiten.

Nach oben

Bernd Rill: Der Bodensee. Geschichte einer trinationalen Region. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 2014. 416 S., ISBN 978-3-938047-69-9. EUR 34,-

Von den Pfahlbausiedlungen bis zur Gründung des Bundeslandes Baden-Württemberg, von der Reichenauer Malerschule bis zu Martin Walser – der Bodensee ist eines der geschichtsträchtigsten Binnengewässer auf unserem Globus und zugleich ein immens reicher kultureller Mittelpunkt. Mit Bernd Rill legt erstmals seit 50 Jahren wieder ein Autor eine große Überblicksdarstellung zur Geschichte der Bodenseeregion aus einem Guss vor. Er arbeitet zielsicher die zentralen historischen Linien heraus, gibt der politischen Geschichte ihr Recht und vergisst doch nicht, die wirtschaftlichen und nicht zuletzt die vielfältigen religiösen und kulturellen Entwicklungen entlang des Sees in seine ebenso kundige wie kurzweilige Erzählung miteinzubeziehen.

Nach oben

Manfred Zach: Monrepos oder die Kälte der Macht. Verlag Klöpfer und Meyer, 9. Aufl. als Sonderausgabe, Tübingen 2012. Ca. 500 Seiten. EUR 17,50. ISBN: 978-3-96351-027-5.

Der zeitgeschichtliche Aufklärungsroman ist längst zum Standardwerk geworden und hat den Weg in wohl nahezu jedes baden-württembergische Wohnzimmer gefunden. Mit der Sonderausgabe zum Landesgeburtstag 2012 gibt der Verlag Klöpfer und Meyer dem faszinierenden und zugleich beklemmenden Blick in das Innere der Macht eine moderne und schön gemachte Form. Denn noch immer liest sich das 1996 erstmals erschienene Buch des ehemaligen Pressereferenten und Leiter der Grundsatzabteilung des baden-württembergischen Staatsministeriums als exemplarisches Psychogramm der Politik, ihrer Mechanismen, Verlockungen und Verkrümmungen – nicht nur in Baden-Württemberg.

Nach oben

Claus-Peter Hutter (Hrsg.): Maultaschen und Motoren. Stuttgart und das Neckarland in den 50er und 60er Jahren. Emons Verlag, Köln 2014. 300 Seiten, ISBN 978-3-95451-403-8. EUR 39,95

„Maultaschen und Motoren“ ist eine berührende Reise in die schwäbische Metro pole der 50er und 60er Jahre. Stuttgart mit dem Neckarland ist eine Großregion im Umbruch, deren Entwicklung in dieser Geschwindigkeit und Konsequenz innerhalb von Deutschland sich vielleicht nur noch mit dem Ruhrgebiet vergleichen lässt. Die 50er und 60er Jahre: als allen Ernstes über „Wübahoz“ als Einheitsbegriff für Württemberg, Baden und Hohenzollern nachgedacht wurde, Mercedes-Benz und Porsche zu den großen Industrieunternehmen in Deutschland aufstiegen und die Menschen in einer bizarren Welt zwischen Mistwagen und schnellen Autos lebten. Faszinierende und zum Großteil unveröffentlichte Bilder werden in einem opulenten, wunderbaren Bildband von einem ausgewiesenen Kenner der Region über eine prägende Zeit lebendig und voller Nostalgie präsentiert.

Nach oben

Jürgen Krüger/Hansmartin Schwarzmaier/Udo Wennemuth (Hrsg.): Das evangelische Pfarrhaus im deutschsprachigen Südwesten. Thorbecke Verlag, Ostfildern 2014. 388 S. mit Abb., ISBN 978-3-7995-7832-5. EUR 34,00

Die 450-jährige Entwicklung des evangelischen Pfarrhauses ist ein zentrales Thema der deutschen Sozial-, Kultur- und Geistesgeschichte. Die Untersuchung gilt dem Gebiet zwischen Augsburg und dem evangelischen Elsass, den Lebensbedingungen im Pfarrhaus und den Netzwerken um die zahlreichen markanten Persönlichkeiten seines Umfelds. Das Pfarrhaus selbst, das Wohnhaus des Pfarrers und seiner Familie, galt lange als Mittelpunkt bürgerlichen Lebens in Stadt und Dorf, als Hort von Künsten und Wissenschaft, als Ort vorbildlicher Lebensführung. Dabei haben sich die Rollen des Pfarrers und seiner Frau vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts so wesentlich gewandelt, dass dieses Bild des Pfarrhauses zum historischen Bild zu werden scheint. Die 15 Beiträge dieses Bandes schlagen jeweils die Brücke in die Gegenwart, unter regionalen und sachlichen Aspekten. So ist hier nicht nur der Wissenschaftler angesprochen, sondern jeder historisch interessierte Leser, der eine soziale und kirchliche Frage der Gegenwart vor historischem Hintergrund zu verstehen versucht.

Nach oben

Werner Plumpe: Eine Vision – zwei Unternehmen. 125 Jahre Carl-Zeiss-Stiftung. Verlag C.H. Beck, München 2014. 472 Seiten mit Abb., ISBN 978-3-406-66285-0. EUR 38.- 

Die Carl-Zeiss-Stiftung wurde 1889 in Jena aus der Taufe gehoben. Ihr Gründer Ernst Abbe brachte seine Anteile an der Optischen Werkstätte Carl Zeiss und dem Glasbetrieb Schott & Genossen in die Stiftung ein. In diesem Buch wird ihre 125jährige Geschichte erstmals wissenschaftlich aufgearbeitet. Mit der Revolution 1918 wurde die Stiftung zum vollständigen Eigentümer beider Betriebe, der sie bis heute geblieben ist. Nach Abbes Willen sollten sich die Stiftungsunternehmen, ohne einem Aktionär verpflichtet zu sein, ganz ihrer wissenschaftlich-technischen Aufgabe widmen. Die Erträge der Unternehmen sollten zudem zur Förderung der Universität und der sozialen Infrastruktur der Stadt Jena verwendet werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stiftung geteilt; seither gibt es sie in Oberkochen und in Jena, doch der Stiftungszweck, nunmehr auf die Länder Baden-Württemberg und Thüringen bezogen, blieb erhalten. Im Zuge der Wiedervereinigung wurde zwar die Stiftung reformiert, aber ihre gemeinnützige Ausrichtung wurde nicht verändert. Die Geschichte der Carl-Zeiss-Stiftung bietet daher einzigartige Einblicke in die Möglichkeiten des Stiftungsmodells, über dessen Leistungsfähigkeit gegenwärtig wieder intensiv debattiert wird.

Nach oben

Elisabeth Timm: Zwangsarbeit in Esslingen 1939–1945. Kommune, Unternehmen und Belegschaften in der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft. Esslinger Studien – Schriftenreihe Bd. 21, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2009. 464 Seiten, ISBN: 978-3-7995-0821-6. EUR 24,90

Esslingen am Neckar im Jahr 1944: 11000 ausländische Zwangsarbeiter sind beim Luftschutzstollenbau und in der Rüstungsproduktion eingesetzt. Zahlreiche Maschinenbaubetriebe expandieren auch mit staatlichen Subventionen und rationalisieren zudem Arbeitsorganisation und Produktion. Aus der analytischen Perspektive dieser lokalhistorischen Arbeit, für die eine Vielzahl an Quellen erstmals ausgewertet wurde, ergeben sich neue Forschungsfragen nach dem Verhältnis von Staat, Kommune und Unternehmen in der NS-Zeit und nach der Position der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft in der fordistischen Epoche Deutschlands.

Nach oben

Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein: Lexikon schwäbischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Bayerisch-Schwaben. Verlag C.H. Beck, München 2013. 475 S. mit 13 Karten. ISBN 978-3-406-65208-0. EUR 29,95

Der Band verfolgt in mehr als 1500 Artikeln die Entwicklung von Siedlungs- und Gewässernamen in Bayerisch-Schwaben von der frühesten Nennung bis zur heutigen Form und leitet daraus den Ursprung und die Bedeutung der Namen her. Die umfangreichen Quellen und Literaturangaben des Lexikons machen es zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel für jeden, der sich für die schwäbische Lokalgeschichtsschreibung interessiert. Die flüssige Darstellung und der Reichtum an historischen Informationen − besonders über die skurril-naiven Namenerklärungen aus früheren Jahrhunderten − laden ein zum Blättern und Schmökern.

Nach oben

Jörg Schweigard: Stuttgart in den Roaring Twenties. Politik, Gesellschaft, Kunst und Kultur in Stuttgart 1919–1933. G. Braun Buchverlag, Karlsruhe 2012. 280 S. mit 99 Abb. ISBN 978-3-76508-609-0, EUR 24,95.

Die Roaring Twenties waren in Stuttgart eine Zeit des Umbruchs und der Neuorientierung. Bezeichnend für diese Jahre waren die Lebensfreude und das Vergnügen. Der Sport und die leichte Unterhaltung zogen die Massen an. Über zwanzig Zeitungen, unzählige Kino-Tempel und der neue Rundfunk wetteiferten um die Gunst der Menschen. Lebendig und facettenreich schildert Jörg Schweigard die bewegten Jahre der Weimarer Republik in Stuttgart, in denen sich „eine neue Ästhetik des Lebens" (Sebastian Haffner) vorbereitete.

Nach oben

Ina Hochreuther: Frauen im Parlament. Südwestdeutsche Parlamentarierinnen von 1919 bis heute, hrsg. vom Landtag von Baden-Württemberg. 3. akt. und fortgeschriebene Aufl., Stuttgart 2012. 466 Seiten, ISBN 978-3-923476-16-9. EUR 15.-

Zum 60-jährigen Geburtstag des Landes Baden-Württemberg liegt nun die dritte und überarbeitete Auflage des Bandes vor. Das biographisch orientierte Buch geht dem Leben und der politischen Arbeit von Frauen aus dem deutschen Südwesten nach. Ein wichtiges Nachschlagewerk zur Landesgeschichte.

Nach oben

 

Momente: Lesetipps

 

„Momente“ ist die populärwissenschaftliche historische Zeitschrift in Baden-Württemberg. Hier finden Sie Lesetipps zur Landeskunde und Landesgeschichte.

mehr...