Die Reichsstädte

Dr. Reinhold Weber

Vervollständigt wurde der südwestdeutsche Flickenteppich des Alten Reiches durch die Reichsstädte, die gleichermaßen wie die reichsunmittelbaren weltlichen und geistlichen Herrschaften nur dem Kaiser unterstanden. Im heutigen Baden-Württemberg finden sich allein 24 der insgesamt 51 Reichsstädte des Alten Reiches, sechs davon in Baden, die restlichen in Württemberg. Die meisten davon lagen auf staufischem Eigengut oder Kirchenlehen (Hall, Ravensburg, Biberach, Buchhorn, Leutkirch, Pfullendorf, Bopfingen, Esslingen, Gmünd, Giengen/Brenz, Heilbronn, Wimpfen, Gengenbach, Zell am Harmersbach). Auf altem Reichsbesitz lagen Ulm und Überlingen, während Weil der Stadt, Buchau und Wangen im Allgäu staufische und Reichsvogteistädte waren. Rottweil und Offenburg hatte das Reich nach dem Aussterben der Zähringer an sich gezogen, Reutlingen und Aalen hatten die ehemaligen Herren ans Reich abgetreten, und in Isny hatten sich die Bürger von den Truchsessen von Waldburg an das Reich losgekauft.

Die meisten Reichsstädte blieben kleine Territorien mit wenigen Dörfern und Weilern im Umland. Andere wiederum blieben auf die Stadtmarkung beschränkt (Buchhorn, Isny, Buchau, Giengen/Brenz, Offenburg, Weil der Stadt). Nur wenigen gelang es, größeren territorialen Besitz zu erlangen. Das größte reichsstädtische Territorium im Südwesten war Ulm, gefolgt von Schwäbisch Hall und Rottweil. Rottweil beispielsweise, das am obersten Neckar auf dem Gebiet des römischen Ortes Arae Flaviae und an einer wichtigen römischen Verkehrsbindung liegt, hatte bereits im 16. Jahrhundert ein ansehnliches Herrschaftsgebiet mit 28 Dörfern, die vor allem aus den Gütern der ausgestorbenen Grafen von Zimmern stammten. Am Ende des 18. Jahrhunderts unterstand Rottweil, wo auch ein kaiserliches Hofgericht war, ein Gebiet von rund 220 qkm mit etwa 13 600 Einwohnern in mehreren Dutzend Orten.

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