Geistliche Herrschaften

Dr. Reinhold Weber

Die südwestdeutschen Strukturen kleiner Kultur ergänzten – in ähnlicher
Vielfalt wie bei den weltlichen Territorien – die geistlichen Herrschaften. Ihre
breit gestreute Verteilung im südwestdeutschen Raum war der Tatsache geschuldet, dass bis auf Würzburg sämtliche Bischofssitze links des Rheins und damit – abgesehen von Konstanz – außerhalb des heutigen Landes lagen. Der südwestdeutsche Raum wurde so zwar vom territorialen Ausbreitungsstreben der Hochstifte – wie der weltliche Herrschaftsbereich der Fürstbistümer genannt wird – erfasst, gleichzeitig blieben diese geistlichen Territorien aber meist recht klein und zersplittert. Das Erzstift Mainz und die Hochstifte Würzburg, Worms, Speyer, Straßburg, Basel und Konstanz hatten den größten Territorialbesitz im deutschen Südwesten. Es folgte die Fürstprobtei Ellwangen und Sankt Blasien, das 1746 in den Reichsfürstenstand erhoben worden war.

Hinzu kamen geistliche Zwergstaaten, die aus den Besitzungen einzelner Klöster hervorgegangen waren und die vor allem das herrschaftlich völlig zersplitterte Oberschwaben prägten: Salem, Ochsenhausen, Zwiefalten, Weingarten, Schussenried, Rot an der Rot, Buchau, Weissenau, Marchtal und andere. Sie alle bildeten bescheidene Territorien mit Einwohnerzahlen zwischen 3 000 und 15 000. Von ähnlich geringer Größe waren auch die Reichsprälatenklöster Neresheim, Isny, Gengenbach, Petershausen, Beuron oder Schöntal. Ein guter Teil dieser Klöster besaß die Reichsstandschaft und damit eine gemeinsame Vertretung beim Reichstag und auf dem Schwäbischen Kreistag. Andere Klöster, die nicht unmittelbar dem Reich unterstellt waren, sogenannte Mediatklöster, konnten ähnlich wohlhabend und angesehen sein wie die reichunmittelbaren geistlichen Territorien.

Die Gruppe der geistlichen Herrschaften ergänzen die Besitzungen des Deutschen Ordens, der vor allem durch Privilegien der Stauferkönige zu Reichs- und Königsgut gekommen war. Der südwestdeutsche Besitz des Deutschen Ordens, der als geistlicher Ritterorden in der Zeit der Kreuzzüge gegründet worden war, gehörte entweder unmittelbar zum Deutschmeistertum (Mergentheim sowie Gebiete im Tauber- und Neckarland) oder aber zu den Balleien Franken (Kommende Kapfenburg mit Streubesitz in den Kommenden Heilbronn und Ulm) und Elsass-Burgund (Altshausen, Mainau und kleinere Gebiete am Hochrhein). Hinzu kam der Johanniterorden mit seinem Besitz Heitersheim südlich von Freiburg.

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