Das Herzogtum Württemberg

Dr. Reinhold Weber

Erst nach dem Untergang der Staufer Mitte des 13. Jahrhunderts war den Grafen von Württemberg der zielstrebige Aufbau einer territorial geschlossenen Herrschaft gelungen. Einer Ausdehnung der Württemberger im schwäbisch fränkischen Raum war zuvor eine Vielzahl konkurrierender Adelsgeschlechter im Wege gestanden. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts waren die Württemberger, die sich nach der Burg „Wirtemberg“ auf dem Rotenberg zwischen Esslingen und Cannstatt nannten, die dominierende Macht im Neckarbecken und die größte Grafschaft des Reiches.

Nach einer Teilung in die Linien Urach (mit dem linksrheinischen Mömpelgard und der Grafschaft Willisau mit der Stadt Reichenweiher im Elsass) und Neuffen bzw. Stuttgart war es erst Graf Eberhard V. im Bart, dem Gründer der Universität Tübingen (1477), gelungen, das Land wieder zu vereinen. Der Münsinger Vertrag von 1482 sah die künftige Unteilbarkeit Württembergs vor. Die Erhebung zum Herzogtum im Jahr 1495 war der krönende Abschluss des Werkes Eberhards im Bart, zugleich aber auch der Auftakt zu neuen Krisen. Nach der versuchten Annexion der Reichsstadt Reutlingen (1519) durch Herzog Ulrich und der folgenden militärischen Niederlage musste der württembergische Herzog das Land verlassen, das an das Reich bzw. an Österreich fiel.

Im Jahr 1535 wurde in Württemberg die evangelische Kirchenreformation durchgeführt, die aber erst nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 vollendet werden konnte. Unter Herzog Christoph wurde Württemberg zu einer geschlossen evangelischen Herrschaft und machte sich auf den Weg vom mittelalterlichen Territorium zum frühneuzeitlichen Territorialstaat mit Zentralverwaltung. In der Folge des Dreißigjährigen Krieges und der Franzosenkriege geriet das Land in einen allgemeinen Niedergang. Bereits 1617 war es erneut geteilt worden. Erst 1733 übernahm die Nebenlinie Württemberg Winnental die Nachfolge der ausgestorbenen Hauptlinie.
Das Herzogtum, das vom fürstlichen Absolutismus und einem starken Pietismus geprägt war, reichte am Ende des Alten Reiches in seiner territorialen Ausdehnung von der Schwäbischen Alb im Süden bis an die Jagst im Norden, vom Kniebis im Westen bis nach Göppingen und an die Reichsstadt Ulm im Osten. Zahlreiche territoriale Splitter am oberen Neckar um die Reichsstadt Rottweil sowie Exklaven wie Heidenheim kamen hinzu.



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